Laurine Almohammad – Gedicht und persönliche Worte

„Unglück“ von Peter Spielbauer

Wenn die Zeit vergeht

Und es bei dir nicht weiter geht

Wenn die Sonne scheint

Und sie dich damit nicht meint

Wenn der Regen fällt

Und er dir kein Lied erzählt

Wenn der Mond in der Nacht

Dich nur blöd anlacht

Dann glaube mir

Du bist nicht allein

Das kann von Zeit zu Zeit

Bei jedem von uns sein.

Als ich 14 war, neu in Österreich, erhielt ich die Nachricht, dass einer meiner Mitschüler im Libanon, gestorben sei. Diese Nachricht war ein schwerer Schlag für mich. Eineinhalb Jahre litt ich unter Schlafstörungen. Es war eine sehr schwierige Zeit. Es ging mir so schlecht, dass ich mir nicht vorstellen konnte, irgendwann wieder ein normales Leben zu führen.  
Das Gedicht, das Sie gerade gehört haben, erinnert mich an diese Zeit zurück: „Wenn die Zeit vergeht, und es bei dir nicht weiter geht … Damals dachte ich wirklich, mein Leben wird nicht weitergehen.    
Die Zeit hat mich aber geheilt. Ich habe es überstanden. Nicht zuletzt, weil meine ganze Familie – vor allem meine Eltern – immer an meiner Seite waren und sind. Ich bin überzeugt, dass ich die besten Eltern der Welt habe.

Mit Hilfe eines pensionierten Lehrers, der mich unterstützt, seit ich in Österreich bin, habe ich die Mittelschule mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen und bin jetzt Schülerin der 4. Klasse in der HAK Feldkirch. Ich kannte keinen Menschen in der neuen, höheren Schule – aber dank meines Klassenvorstandes habe ich die Herausforderung meistern können. 

In den vergangenen Sommerferien hatte ich dank meines Direktors die Möglichkeit, mein Praktikum in einem Feldkircher Baumarkt zu machen, in der Verwaltung: So viele nette Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und Chefs! Ich habe wertvolle Erfahrungen gesammelt, für das Schul- wie für das Privatleben.

Seit einem Jahr bin ich nun Stipendiatin bei START. Nach fünf recht einsamen Jahren in Österreich spüre ich nun endlich eine gute Gemeinschaft. Beim START-Jahrestreffen habe ich während unserer abendlichen Spiele nach langer Zeit wieder von Herzen gelacht.

So geht es uns Menschen, wir werden immer schlechte, aber auch gute Zeiten haben.

Deshalb ist es wichtig, dass wir unserem Glauben vertrauen und uns davon tragen lassen. Darum ist es wichtig, dass wir füreinander da sind, in Kontakt bleiben und andere daran erinnern, dass sie nicht alleine sind.

Danke!

Amal Ibrahim, Armine Tamoian, Maya Ankoud, Osama Al Farwan, Ruqaya Al-Musawi, Sofia Petrova und Zahraa Al-Musawi – Interviews

Armine: „Mein Name ist Armine. Ich bin Teil des 14. START-Jahrgangs. Um uns Ihnen vorzustellen, haben wir uns ein paar Fragen überlegt. Diese wollen wir für Sie beantworten.

Liebe Ruqaya, START ist ein Förderprogramm zur Integration. Wann ist Integration für dich erfolgreich?“

Ruqaya: „Eine erfolgreiche Integration bedeutet sich einer Gemeinschaft zugehörig zu fühlen. Durch die verschiedenen Programme, die START uns bietet, lernen wir so viel für unsere Persönlichkeit und unser Selbstbewusstsein – vieles das wir in unserem Umfeld brauchen können.
Als ich mitbekam, dass ich bei START teilnehmen darf, habe ich mir Sorgen gemacht, wie ich in die Gruppe passen werde und ob ich mit allen klar kommen werde. Beim Bildungsseminar war ich sehr nervös, obwohl meine Schwester dabei war. Doch so wie die Stipis mich behandelt haben, waren all meine Sorgen umsonst. Ich fühlte mich willkommen und um ehrlich zu sein, niemand gab mir das Gefühl, dass ich neu bin, also noch nicht dazu gehöre. Im Gegenteil, schon beim ersten Treffen, hatte ich das Gefühl, dass START meine zweite Familie ist und das ist für mich genau der richtige Anfang einer erfolgreichen Integration.

Zahraa, START sieht verschiedene Kulturen als Bereicherung für unsere Gesellschaft. Welchen Beitrag kannst du zu unserer Gesellschaft leisten?“

Zahraa: „Als Beitrag für unsere Gesellschaft will ich nach meiner Matura Medizin studieren. Die Gesundheit anderer Menschen ist mir ein großes Anliegen. Darum will ich besonders denen helfen, die sich nicht so viel leisten können. Ich möchte etwas dazu beitragen, um den Schmerz und das Leid der Menschen zu reduzieren. Da ich als Muttersprache Arabisch spreche, kann ich mich als Ärztin dann auch mit manchen Patienten verständigen, die nicht so gut Deutsch sprechen.

Liebe Sofia, warum bist du bei START? Was erwartest du dir vom Stipendienprogramm?“

Sofia: „Danke für die Frage Zahraa! Warum bin ich bei START? Leben ohne ständiges Lernen macht keinen Sinn für mich. START ist ein Programm, das mehrere Möglichkeiten für vielseitige Persönlichkeitsentwicklung bietet. Außerdem sind bei START nur engagierte und voll motivierte Menschen, die genau wissen, welche Ziele sie verfolgen. Diese zwei Monate habe ich schon die Gelegenheit gehabt, mich mit dem Programm vertraut zu machen und meine Erwartungen wurden übertroffen.

Amal, was sind deine Ziele für die kommenden Jahre?”

Amal: „Ich möchte ein erfolgreicher Mensch in meinem Leben sein, der respektiert und dem zugehört wird. Ich will unabhängig sein. Ich will eine starke Person aus mir machen.

In meiner Familie hat es in der Vergangenheit schon ein paar gesundheitliche Schwierigkeiten gegeben. Dadurch wusste ich schon früh, dass ich Ärztin werden möchte. Mein Name „Amal“ bedeutet auf Deutsch „Hoffnung“. Ich möchte anderen Menschen helfen und ihnen Hoffnung schenken. Ich möchte ein Vorbild für andere Mädchen und junge Frauen sein und ihnen Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Leben geben.

Lieber Osama, warum willst du studieren gehen nach der Matura? / Was bedeutet ein höherer Bildungsabschluss für dich?“

Osama: „Die Matura ist für mich ein sehr großer und wichtiger Schritt in meinem Leben. Denn die Matura eröffnet mir viele Wege für die Zukunft. So ist sie für mich nicht nur der Abschluss meiner schulischen Laufbahn. Sondern die Matura eröffnet mir die Möglichkeit studieren zu gehen. Ein Jus-Studium, Pathologie oder Journalismus – meine Interessen sind vielfältig und mein Ehrgeiz kennt keine Grenzen, wenn es um meine Weiterbildung geht. Für mich ist das Studium eine finanzielle Sicherheit für die Zukunft und sich Wissen anzueignen ist für mich ein immer laufender Prozess zum Erfolg.

Maya, was wünschst du dir für die Zukunft?”

Maya: „Mein Wunsch ist, meine Matura zu schaffen. Ich denke das betrifft einige hier im Raum. Denn das ist der Wunsch, den alle Stipis haben. Ich wünsche mir ein erfülltes Leben voller Glück und Erfolg. Aber um das zu erreichen, muss ich an mir selbst arbeiten. Wer später ein erfolgreicheres Leben möchte, muss etwas dafür tun., denn von nichts, kommt nichts. Die meisten Herausforderungen in meinem Leben habe ich bisher erfolgreich gemeistert. Das ist es auch, was ich mir für meine Zukunft wünsche.

Für mich bedeutet Erfolg, das zu tun, was ich gern tue, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Mein Wunsch ist es, diese Leidenschaft und Interessen bald zu entdecken, damit ich mir schon weitere Ziele stecken kann.

Liebe Armine, Wem verdankst du, dass du heute da stehst, wo du bist?“

Armine: „Vor allem verdanke ich es meinen Eltern. Sie haben sich für das tolle Land Österreich entschieden und haben für mich und meine 3 Geschwister hier eine Zukunft gesehen. Sie sind es auch, die uns immer zur Seite stehen und durch die ich eine neugierige und interessierte Person geworden bin. Ein herzliches Dankeschön schulde ich aber auch der Familie Rüdisser. Sie haben in Schruns eine Plattform gegründet, um Flüchtlingen zu helfen. Und dann möchte ich mich auch noch bei Elke Martin bedanken. Sie machte mich auf das START-Stipendium aufmerksam und half mir bei meiner Bewerbung. Ohne all diese Personen würde ich heute nicht hier stehen. Danke!”

Maya: „Das war es von unserer Seite. Danke für Ihre Aufmerksamkeit!“

Amir “Meine Zukunft das bin ich”

Sehr geehrte Damen und Herren!

Mein Name ist Amir Rajabi und komme aus Afghanistan. Ich lebe seit 2015 in Österreich und es ist mir eine große Freude, heute vor Ihnen stehen zu dürfen.

Als ich am 30.09.2015 in Österreich angekommen bin, war alles für mich fremd, neue Sprache, neue Menschen, neues Land und neue Kultur. Ich war ein kleiner junger Mann und machte mir immer Gedanken, wie mein Leben hier in Österreich sein wird?

Eines Tages wurde ich mit einem Polizei- Autobus in eine Unterkunft gebracht. Dort habe ich zum ersten Mal die deutsche Sprache wahrgenommen, ich war ganz ehrlich sehr erschrocken und verwirrt. Ich habe mir in meinem Kopf sofort die Frage gestellt „wäre es für mich überhaupt möglich, die deutsche Sprache in der Zukunft fließend und problemlos sprechen zu können?“

Im Oktober 2015 begann mein erster Schultag in Österreich. Meine erste Schule war die Volksschule Losenstein. Losenstein ist ein kleiner Ort in OÖ. Nach einiger Zeit kamen noch andere Flüchtlingskinder in meinem Alter zu dieser Schule und ein Deutschkurs wurde für uns organisiert. Erstaunlicherweise konnte ich nach einem Jahr Deutsch sprechen und schaffte es sogar, das letzte Jahr in der Volksschule bzw. die 4. Klasse positiv abzuschließen und somit ging es für mich mit einer anderen Schule weiter. Ich besuchte 2 Jahre lang die Neue Mittelschule Losenstein und nach diesen zwei Jahren habe ich mich entschieden in ein Gymnasium zu wechseln. Ich bin echt froh, dass ich damals diese Entscheidung getroffen habe.

Das erste Lernjahr im Gymnasium war sehr schwierig für mich. Am Anfang musste ich mit vielen Herausforderungen kämpfen und ich habe auch direkt festgestellt, dass der Schulalltag anders ist, z.B. im Vergleich zur Mittelschule musste ich mehr lernen. Aber im Laufe der Zeit habe ich mich an das Schulsystem gewohnt und somit konnte ich auch meine Schulnoten verbessern.

Im Jahr 2019 habe ich meinen positiven Asylbescheid erhalten. Danach traf ich die Entscheidung, nach Wien zu übersiedeln, mein Grund dafür war, dass ich in Wien im Gegensatz zu den anderen Orten in Österreich mehrere Gelegenheiten habe, um aufzusteigen bzw. meine Lebensqualität zu verbessern. In Wien besuche ich das Gymnasium „Ettenreich“ und ebenfalls habe ich die Ehre, ein Teil der START-Familie geworden zu sein. Ich kenne START seit letztem Jahr. Am Beginn wurde ich im Freundeskreis von START aufgenommen und jetzt bin ich ein offizieller Stipi. Obwohl ich im Freundeskreis war, durfte ich an mehreren lehrreichen und wunderbaren Workshops teilnehmen und somit habe ich viele großartige und integrierte junge Menschen aus verschiedenen Nationalitäten kennengelernt. START hat mich immer unterstützt, wenn Hindernisse auf meinem Bildungsweg lagen. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich nun ein Teil der START-Familie bin, und an dieser Stelle möchte ich mich bei START aber auch Patinnen und Paten bedanken, dass Sie durch Ihre Unterstützung uns immer zur Seite stehen.

Mein Hauptziel ist, an allererste Stelle die Matura zu schaffen. Was ich danach machen möchte, weiß ich leider nicht, weil ich momentan nur auf meine Reifeprüfung fokussiert bin. Jedoch weiß ich aber eines, und zwar, dass ich in der Zukunft dank Ihrer bemerkenswerten Unterstützung meinen Beitrag zur Gesellschaft leisten und infolgedessen nützlich für Österreich im Einsatz sein werde.

Herzlichen Dank fürs Zuhören und wünsche Ihnen einen schönen Abend!

Amir RAJABI
BG 10 Ettenreichgasse

Elnaz “Meine Zukunft das bin ich”

Guten Abend meine sehr geehrte Stipendiatinnen und Stipendiaten, Patinnen und Paten und Freundinnen und Freunden, zuerst möchte ich mich bei allen bedanken, die uns ihre wertvolle Zeit geschenkt haben. Mir wurde die Gelegenheit gegeben, über meine Zukunft und über mich zu reden. Ich heiße Elnaz und komme aus Afghanistan. Ich bin seit 7 Jahren in Österreich und bin Schülerin der Antonkriegergasse.

Ich möchte über mich und meine Erfahrungen erzählen.

Am Anfang in Österreich war es mir nicht leicht. Ich konnte die Sprache nicht und hab mich ausgeschlossen gefühlt, aber ich habe nicht aufgegeben. Ich habe in der Schule Schwierigkeiten in verschiedenen Fächer gehabt, aber ich habe mir vorgenommen es zu schaffen. Es gab viele Menschen, die an mich geglaubt haben, aber auch einige die nicht an mich geglaubt haben. Ich vergesse es nie, was meine Direktorin in der Mittelschule gesagt hat, dass ich es niemals schaffen werde in ein Gymnasium zu gehen. Aber heute stehe hier und damit habe ich das Gegenteil bewiesen. Ich fühle mich geehrt hier zu sein und das Recht auf Bildung zu haben, dennoch ist nicht überall verständlich. Ich möchte die Gelegenheit nutzen über Frauen und Mädchen zu reden, sie haben es nie einfach gehabt. Sie können sich nicht so anziehen wie sie wollen sonst werden sie getötet sowie Mahsa Amini in Iran, die nur weil sie angeblich nicht sich angemessen gekleidet hat, getötet wurde. Viele Frauen haben nicht das Recht zur Schule zu gehen oder zu arbeiten. Seit der Übernahme von den Taliban in Afghanistan dürfen Mädchen nicht zur Schule gehen. Vor wenigen Tagen in Afganistan gab es ein Terrorangriff in eine Mädchenschule. Die Mädchen wollten Maturaprüfung machen, aber sie wurden getötet, nur weil sie ihre Träume folgen wollten. Die Ungerechtigkeit für Frauen gibt es überall und ich wünsche, dass es sich bald ändern wird.

In meiner bisherigen Schulkarriere habe ich unterschiedliche Interessen und Berufswünsche gehabt. Aber letzendes habe ich mich für Rechtwissenschaft entschieden. Ich habe seit Kindheit immer den Wunsch gehabt für Frauenrechte zu kämpfen da ich es in selbst in meine Gesellschaft erlebt habe. Ich habe vor am Anfang in Wien zu studieren, aber mein Wunsch ist, später in Großbritannien zu studieren. In meine Freizeit genieße ich lesen und klassische Musik zu hören. Ich möchte noch neben mein Studium in ein Frauenrechtsorganisation arbeiten, damit ich meinen Beitrag zur Gesellschaft leiste und versuche, die Welt noch schöner zu gestalten.

Ich möchte mich bei START bedanken, wegen deren vielfachen Unterstützungen. Ich möchte mich bei all unseren Patinnen und Paten, Organisationen, die mit START zusammenarbeiten und einzelne Personen bedanken. Sie haben vielen jungen, motivierten und eifrigen Menschen, aber auch mir die Möglichkeit gegeben, unsere Interessen zu vertreten, unser Wissen zu erweitern und die Welt mit anderen Perspektiven zu sehen. Ich hoffe, dass ich durch dies großartige Gelegenheit meine Ziele erreiche.

Das ist die Botschaft, die ich weitergeben möchte. Egal aus woher man kommt oder welche Schwierigkeiten man hat, man soll nie aufgeben dennoch wir lernen aus unseren Fehlern.

Vielen Dank für das Zuhören und ich wünsche Ihnen einen schönen Abend!

Elnaz SHAHROKHI
BRG Anton Kriegergasse Wien 23