START-Wien Newsletter 11/2021

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Impressionen 15 Jahre START-Stipendium Wien

47 Stipendiat:innen werden dieses Schuljahr gefördert, davon wurden 25 im Rahmen des Jubiläums neu aufgenommen. Mit rund 180 Gästen blicken wir auf unsere START-Anfänge zurück, verabschieden feierlich unsere 35 Absolvent:innen aus 2020 und 2021 und erfreuen uns an den tollen Reden und einem wundervollen musikalischen Beitrag. Und unser Highlight: zwei Stipendien wurden zum ersten Mal in der START-Geschichte von unseren Absolventinnen übernommen! 

Fatema „Was bedeutet START für mich?“

Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Unterstützer*innen und Förder*innen des START-Stipendiums! Liebe Freundinnen und Freunde und liebe Katrin, liebe Aleks und liebe Samira, ich möchte meine Rede mit einem kurzen Zitat aus den Menschenrechten beginnen: Ganz einfach: „Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung.“ Bereits 1948 haben 160 Länder die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte unterschrieben.

Mein Name ist Fatema Ahmadi, ich bin 20 Jahre alt und komme aus Afghanistan. In meiner Heimat ist es nicht selbstverständlich, dass alle Menschen gleichberechtigt werden, z.B. dass alle dieselbe Chance haben, eine Schule zu besuchen und schon gar nicht eine höhere Bildung zu absolvieren. Und für Mädchen und Frauen ist es sowieso umso problematischer.

Ich bin mit meiner Familie seit 2013 in Österreich und bin in der 3. Klasse Mittelschule in das österreichische Schulsystem eingestiegen, ohne ein Wort deutsch sprechen zu können. Heuer habe ich im Juni an der HLW 10 Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe die Matura absolviert und nun studiere ich Gesundheits- und Krankenpflege an der Fachhochschule Campus Wien.

Ich möchte jetzt kurz noch einmal ein paar Jahre zurückblicken, damit ich die Bedeutung, die die Matura und mein Studienbeginn für mich haben, auch Ihnen und euch deutlich machen kann. Aber auch zeigen möchte, wie wichtig die Unterstützung, vor allem durch das START Stipendium und alles was dazu gehört für mich war.

Wie kam ich überhaupt zu START:

Vor 6 Jahren besuchte ich die Tanmu Nachhilfe – ich wollte unbedingt nach der Mittelschule eine höhere Schule besuchen und bereits damals war mein Ziel, die Matura zu absolvieren. Ich hatte mich erkundigt, welche Möglichkeiten es gibt und entschied mich für eine BHS – also eine Schule wo ich Matura habe und gleichzeitig aber schon eine Berufsausbildung, in meinem Fall im Bereich Gastronomie und Hotellerie.

Beinahe scheiterte meine Schullaufbahn gleich vor dem Beginn, nicht weil ich nicht aufgenommen wurde, sondern, weil ich für die Ausbildung Berufskleidung benötigte, die sich meine Eltern nicht leisten konnten. Schon seit immer war ich als älteste Tochter für die behördlichen Sachen zuständig und mir war klar, dass sich das nicht ausgehen wird. Ich war traurig und hoffnungslos und musste akzeptieren, dass meine Eltern sich das nicht leisten können und somit ich die Schule nicht besuchen kann.

Durch Tanmu bin ich auf den Verein START-Stipendium gestoßen.  Durch die Gespräche mit Katrin Triebswetter und Katrin Bernd bekam ich wieder Hoffnung.  START übernahm nämlich die Kosten für meine Berufskleidung und hat mir somit den Zugang zur Schule ermöglicht.

Ich bin so froh, dass so etwas wie das START in Österreich existiert. Manchmal können kleine finanzielle, aber auch emotionale und persönliche Unterstützungen die Zukunft eines jungen Menschens im Positiven verändern und beeinflussen. Wie bei mir!

Aber nicht nur die finanzielle Unterstützung durch den Verein START-Stipendium hat mich positiv in meiner Weiterentwicklung beeinflusst. Ich konnte mich ebenso im Bereich Bildung weit über das Schulische hinaus weiterentwickeln, aber auch meine Persönlichkeitsentwicklung wurde sehr unterstützt. Ganz wichtig vor allem die Exkursionen haben mir Einsicht in Dinge gebracht, die ich sonst wahrscheinlich nie bekommen hätte. Und vieles mehr…

In diesen 5 Jahren habe ich so vieles geschafft, dass ich es immer noch nicht glauben kann:

  • Alle wollten, dass ich in die 3-jährige Fachschule wechsele – also ohne Matura, weil ich in so vielen Fächern Deutch, Englisch und vieles mehr Schwierigkeiten hatte.
  • Jedoch habe ich alle Fächer mit viel Kraftaufwand von mir jedes Jahr ohne Nachprüfungen geschafft, sogar durch die schwierige Zeit der Pandemie.
  • Und dann war es so weit im Mai 2021 hatte ich dann die Matura in der Tasche! Wer hätte das jemals gedacht – ich zwischendurch manchmal nicht
  • Und jetzt bin ich seit September eine Studentin, noch dazu eine berufstätige, da ich im Sommer auch von zu Hause ausgezogen bin und muss ich nun weitgehend für mich selbst sorgen.

Die letzten Jahre waren nicht einfach für mich, ich bin oft an meine Grenzen gekommen. Auch die Sorge um meine Familie, meine Eltern meine Schwestern – wie es immer weitergehen wird, haben mich stark gefordert.

Nun habe ich alles in der Hand und bin stolz, dass ich so weit kommen konnte, und da haben das START-Stipendium und die Menschen, die ich dadurch kennenlernen durfte, zum einen meine beste Freundin Samira und auch Menschen in meinem Privatleben (hier bedanke ich mich persönlich bei ihr die Ruth- meine große Heldin) einen großen Anteil dran. START hat mich in schulischer, finanzieller aber manchmal auch privater Hinsicht unterstützt. Meine beste Freundin und die Ruth haben mich vor allem im privaten Leben durch dick und dünn in jede Situation unterstützt. Sie waren in meinem Glück, in meiner Trauer, an jeder neuen Erfahrung beteiligt und haben mich unterstützt. Ich bin so dankbar und stolz, dass ich von solchen wunderbaren und einzigartigen Menschen umgeben bin. Das macht mich glücklich, jede Erinnerung macht mich glücklich und ich fühl mich wertgeschätzt.

Dafür möchte ich auch hier heute Danke sagen!

Sahar „Meine Zukunft, das bin ich!“

Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Patinnen und Paten, Stipendiatinnen und Stipendiaten, liebe Familienmitglieder! Es ist mir eine große Ehre, hier vor euch zu stehen. Ich heiße Sahar, bin 18 Jahre alt und komme aus Afghanistan und möchte euch einiges über Sahar erzählen.

Sahar hat es nie im Leben leicht gehabt. Sie musste sich immer mehr anstrengen als die anderen. Sie musste immer mehr tun und alles geben als die anderen, denn das Leben war für sie nie einfach. Von klein auf musste sie eine Kämpferin sein. Von Klein auf musste sie die Rolle eins älteren und vernünftigen Mädchens spielen. Ich durfte nie ein Kind sein, nicht nur ich, sondern die meisten Kindern aus meiner Heimat. Die Kinder, die eine schwere Vergangenheit hatten, haben von klein auf gelernt ein Kämpfer/eine Kämpferin zu sein. Ich bin stolz auf mich, dass ich so weit gekommen bin. Es war nicht leicht, es war überhaupt nicht leicht, aber ich habe es geschafft. Ich habe sehr vieles in meinem Leben erreicht, worauf ich stolz und dankbar bin.

Danke an alle, die mich auf meinem bisherigen Weg begleitet haben, Insbesondere meinen Eltern. Mein Vater hat mich mit 13 Jahren in Kickboxen angemeldet. Ich hatte bis jetzt viele Kämpfe gehabt. Ich habe ein paar von denen Gewonnen und ein paar verloren. Naja, verloren ist das falsche Wort für mich. Denn ich habe nie verloren, sondern gelernt und Erfahrung gesammelt.

Ich bin sehr dankbar, dass ich eine START-Stipendiatin sein darf, denn solche Gelegenheit bekommt nicht jeder. Wir alle Stipendiat*innen können mit Unterstützung von START und unseren Paten wachsen und unser Wissen erweitern.

Mein nächstes Ziel, das ich unbedingt erreichen möchte, ist die Matura. Danach möchte ich Wirtschaft mit Schwerpunkt Global Business oder Marketing Studieren. Ich liebe Sprachen und kann mir auch gut vorstellen, Sprachen zu studieren wie z.b Russisch, Französisch oder Englisch. In der Zukunft will ich unbedingt viel reisen und die Welt entdecken.

In Österreich bekam und bekomme ich Chancen, die es in Afghanistan leider nicht für mich gibt. In meinem Leben möchte ich zu einem Punkt kommen, wo ich anderen Menschen helfen und diese inspirieren kann, wie Mohammad Ali oder Malala mich inspiriert haben. Ich werde mein Bestes geben, um eine schöne Zukunft für Sahar zu gestalten. Danke für eure Aufmerksamkeit.

Mohid „Meine Zukunft, das bin ich!“

Guten Abend meine sehr geehrte Stipendiatinnen und Stipendiaten, Patinnen und Paten und Freundinnen und Freunden, zuerst möchte ich mich bei allen bedanken, die uns ihre wertvolle Zeit geschenkt haben. Mir wurde die Gelegenheit gegeben, über meine Zukunft und über mich zu reden. Für diejenigen, die mich nicht gut kennen, stelle ich mich kurz vor. Also, ich bin der Mohid. Ich bin 17 Jahre alt, auch wenn ich älter aussehe (Witz). In Österreich lebe ich seit 8 Jahren und besuche das Gymnasium am Augarten, 7. Klasse. Die Reifeprüfung steht sozusagen vor der Tür.

Ich erzähle Euch über meine Erfahrung in Österreich und bei START. Wie ich schon erwähnt habe, bin ich seit mehr als 8 Jahren in Österreich. Allerdings lebte ich vorher in Wolfsberg in Kärnten. Ich war von Bergen und Tälern und Flüssen und Feldern umgeben und genau da habe ich bemerkt, wie sehr ich die Natur liebe. Weil mir aufgefallen ist, dass ich in einer Großstadt bessere Möglichkeiten habe, bin ich nach Wien umgezogen und lebe hier seit März 2015. 2019 habe ich meine Pflichtschule abgeschlossen und bin seitdem in einem Gymnasium.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich bin eine Person, die ständig was tun muss. Ich kann nicht ruhig sitzen. Ich brauche ständig Menschen, mit denen ich über meine Ideen diskutieren kann. Leider gab es Mangel an neugierigen Menschen, die die Absicht hatten, etwas Gutes für die Gesellschaft zu leisten. Aber dann habe ich ein Programm entdeckt, in dem wissbegierige junge Menschen diskutieren, philosophieren und ihre Erkenntnisse erweitern lassen.

Das Programm heißt START. Ich bin seit 3 oder 4 Monaten ein START-Stipendiat. In dieser Zeit habe ich unzählige Workshops besucht und an Veranstaltungen teilgenommen, die mich nicht interessiert haben und dann später habe ich irgendwas Neues dabei gelernt. In meiner heutigen Rede möchte ich alle meine START-Stipendiatinnen und -stipendiaten bedanken, weil ich gute neue Freunde bekommen habe. Von diesen habe ich unzählige neue Dinge gelernt. Ich habe neue Kulturen kennengelernt, ich habe neue Traditionen kennengelernt, ich habe neue Geschichten kennengelernt und ich habe durch sie einen Zugang zur Welt bekommen. In dieser kleinen Phase habe ich viele schöne Erfahrungen gesammelt und ich hoffe, dass ich diese weiterhin machen werde.

In meiner bisherigen Schulkarriere habe ich unterschiedliche Interessen und Berufswünsche gehabt. Von Theologe bis Diplomat wollte ich alles werden. Das ist auch der Grund, warum meine Freunde mich kaum verstehen (Witz). Ich habe unterschiedliche Ideen im Kopf und deswegen weiß ich auch nicht, was ich nachher machen werde.

Ich möchte mich bei START bedanken, weil sie viele unterschiedliche Workshops organisieren, und somit wir, die Stipendiaten, neue Dinge lernen dürfen. Auf jeden Fall möchte ich mich bei all unseren Patinnen und Paten, Organisationen, die mit START zusammenarbeiten und einzelne Personen bedanken. Sie haben vielen jungen, motivierten und eifrigen Menschen, aber auch mir die Möglichkeit gegeben, unsere Interessen zu vertreten, unser Wissen zu erweitern und die Welt mit anderen Perspektiven zu sehen. Ich hoffe, dass ich mithilfe von START einen guten Plan für meine Zukunft entwerfen kann.

Das ist die Botschaft, die ich weitergeben möchte. Ich weiß nicht, was ich genau später machen werde, aber eines weiß ich: ich werde meinen Beitrag zur Gesellschaft leisten und versuchen, die Welt noch schöner zu gestalten. Vielen Dank für das Zuhören und ich wünsche Ihnen einen schönen Abend!