Eyüp Mihci über sein soziales Engagement

Mein Name Eyüp Mihci, 17 Jahre alt und Schüler des BRG-Dornbirn Schorens. Ich bin ein Mitglied der Schülervertretung in meiner Schule, Vorstand des Ballkomitees, Nachhilfelehrer eines afghanischen-Flüchtlings, Vertretender-Sprecher der START-Stipendiaten aus Vorarlberg und leidenschaftlicher Volkstänzer. Trotz 34 Stunden Schule pro Woche habe ich Zeit um mein Engagement auszuüben.

Am Anfang des Schuljahres haben wir, eine Kollegin, ein Kolleg und ich, beschlossen uns bei der Schulsprecherwahl als Gruppe aufzustellen. Leider konnte keiner von uns das Amt des Schulsprechers übernehmen, jedoch hatten wir zum Glück genügend Stimmen, um unsere Ideen in der Schülervertretung zu vertreten. Eine Idee, die wir umsetzen konnten, ist das Lehrerfeedback. 

Im selben Monat habe ich mich entschieden als Vorsitz im Ballkomitee zu kandidieren. Da es nicht so viele Konkurrenten gab, war es nicht schwierig dieses Amt zu übernehmen. Zum Glück haben wir zwei Vorsitze im Ballkomitee. Meine Kollegin, Maria, und mich. Wir teilen uns die Aufgaben und kommen deswegen sehr gut voran mit der Organisation des Balles.

Heuer im März hat mich unsere Landeskoordinatorin auf einen afghanischen Flüchtling, der gleichzeitig ein Stipendiat ist, aufmerksam gemacht um ihm in Darstellender Geometrie zu helfen. Kurzer Zeit später fanden der Stipendiat und ich einen passenden Termin um einmal in der Woche Nachhilfe zu geben. Jeden Donnerstag um 15:20 treffen wir uns in der Aula der Schule und lernen eine bis ein und halb Stunden Darstellende Geometrie. Mir ist aufgefallen, dass er sich von Tag zu Tag verbessert.

Nicht nur die Schüler meiner Schule darf ich vertreten, sondern auch Stipendiaten aus Vorarlberg. Seit letzten Februar darf ich auf die Probleme der Stipendiaten als Stipendiaten-Sprecher eingehen. Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit in Oberösterreich

ein Young Leadership Seminar zu besuchen, um besser in die Rolle als Sprecher reinzuschlüpfen. Obwohl die jährlich neu kommenden Stipendiaten sich schnell in die START-Familie integrieren, denke ich, dass es noch ein bisschen Handlungsbedarf gibt.

Mich kennt man als leidenschaftlicher türkischer Volkstänzer. Ich war von September 2016 bis November 2017 in einer Volkstanzgruppe hier in Vorarlberg. Unglücklicherweise wurden wir immer weniger und weniger im Verein, weshalb sich der Verein zersplitterte. 2 Monate später fand ich eine neue Volkstanzgruppe in Ravensburg, in der ich seit Jänner ein Mitglied bin. Wir gehen zu Fünft mit einem Auto nach Ravensburg auf die Trainings. Tanzen und Musik hilft mir mich körperlich und mental besser zu fühlen, da ich es mit voller Leidenschaft mache.

Alles in Allem möchte ich noch sagen, dass es sehr einfach ist ein soziales Engagement zu finden und ich appelliere an jeden einzelnen Leser, dass er sich sozial engagieren soll denn es gibt nichts Schöneres, als anderen Menschen zu helfen.

Freiheit beginnt im Kopf – oder wofür es sich lohnt zu leben

Dieses Jahr haben vier START-Stipendiat*innen aus Wien, Niederöstereich und Oberösterreich das Finale des Mehrsprachigkeits-Redewettbewerbs Sag´s multi erreicht. Bei der 9.Auflage dieses Redewettbewerbs mussten sich die Schüler*innen zuerst in einer Vorrunde, und dann in einer Regionalauscheidung und schliesslich in der Finalrunde bewähren.

Die SchülerInnen treten mit zweisprachigen Reden an, in denen Sie zwischen Deutsch und einer weiteren Sprache wechseln. Diese zweite Sprache kann entweder eine andere Erst- bzw. Muttersprache als Deutsch oder eine Fremdsprache sein.

Bei der feierlichen Preisverleihung am 12.3.2018 im Festsaal des Wiener Rathaus wurden die Gewinner*innen in den jeweiligen Kategorien bekanntgegeben.

Wir gratulieren Bahara Muradi aus Oberösterreich zum Gewinn in der Kategorie  III (11.-13. Schulstufe) und den anderen START-Stipis zum Erreichen der Finalrunde.
Heuer waren über 500 Schüler*innen im Wettwerb, davon kamen 136 ins Finale.

Die Leitthemen der Reden waren heuer:

  • Dafür lohnt es sich zu leben
  • Freiheit beginnt im Kopf
  • Nobody’s perfect
  • Social Media – mein echtes Leben?
  • „Ungerechtigkeit an irgendeinem Ort bedroht die Gerechtigkeit an jedem anderen.“

Was die Stipendiat*innen zu sagen hatten können Sie hier nachlesen:

Bahara Foto

Bahara Muradi: REDE

Taha

Taha Al Khashmany: REDE

Chrislane Foto
Chrislane Barros da Silva: REDE
Jivi Foto
Jivan Bhullar: REDE

Vielen Dank an den Verein Wirtschaft für Integration für diese Initiative die es jungen Menschen in Österreich ermöglicht ihre Ideen und Gedanken der Öffentlichkeit zu präsentieren und gleichzeitig ihre Mehrsprachigkeit als Potential zu erleben.

Fotos: VWFI/ Sophie Kirchner

Selmas Modekollektion setzt sich gegen Diskriminierung ein

START-Stipendiatin Selma Garibovic will hoch hinaus und die Welt der Mode für sich gewinnen. Der erste Schritt dazu ist gemacht, als ein Artikel in der Zeitung „Der Kleine Bote“ des Bundesverbands kleinwüchsiger Menschen und ihrer Familien (BKMF), mit welchem sie für ihre Diplomarbeit zusammenarbeitet, erschien.

Obwohl Selma in der Modewelt Fuß fassen will, kritisiert sie die heutige Modeindustrie, welche hauptsächlich sogenannte „Schönheitsideale“ in Szene setzt. Es ist ihr klar, dass diese Schönheitsideale, die perfekten Körpermaßen, Körpergröße und Proportionen nicht der Realität entsprechen. Daher will sie ein Zeichen setzen. Ihrer Meinung nach soll Mode für alle Menschen ein Gefühl von Freude vermitteln. Sie möchte Menschen helfen, ihre Schönheit, Besonderheit und Lebensfreude durch ihre Bekleidung zu betonen, ohne dabei ‚perfekt‘ im Sinne des vorherrschenden Schönheitsideals sein zu müssen.

Als ersten Schritt zur Verwirklichung ihrer Ziele schreibt sie ihre Diplomarbeit für die Matura mit dem Titel „Entwicklung einer trend- und bedarfsorientierten Modekollektion für kleinwüchsige Menschen“. Sie arbeitet mit dem Verein BKMF (Bundesverband Kleinwüchsiger Menschen und ihre Familien) zusammen, und befindet sich bereits mitten im Arbeitsprozess. Zuerst befragte sie die Personen des Vereins mithilfe eines Fragebogens, um eine theoretische Basis für ihre Diplomarbeit zu erhalten. Der nächste Schritt ist die Entwicklung einer trendorientierten Modekollektion für Frauen, die Fertigung von drei Modellen und die Präsentation der fertigen Arbeit vor der Prüfungskommission im April 2018.

 

  

 

Um auch nach der Matura ihrem Traum einen Schritt näher zu kommen, besuchte sie mit zwei Freundinnen den Tag der offenen Tür der Meisterklasse für Damenoberbekleidung in Wien und berichtet:

„Nach einer Eröffnungsmodenschau mit vielen tollen Modellen bekamen wir die Möglichkeit, in die beiden Arten der Meisterklassen zu schnuppern: die Haute Couture und Bühnenkostüm. Bei der Haute Couture handelt es sich um die Fertigung von aufwendigen Abendkleidern, beim Bühnenkostüm liegt der Schwerpunkt bei Roben aus bestimmten Zeiträumen der Geschichte. Es war atemberaubend, solch perfekt verarbeitete Stücke von der Nähe aus zu betrachten und den Schülern beim Fertigen dieser zuzusehen.

Wir informierten uns über die Aufnahmekriterien, das Qualifikationsgespräch, den Ablauf des Meisterjahres und der Meisterprüfung und bekamen kalte Füße, da wir kurz an uns zweifelten. Aber trotzdem werden wir uns bewerben. Nun heißt es für uns, für das Qualifikationsgespräch viel zu lernen und die Mappe, mit technischen Übungen, Schnitten und Skizzen zu erarbeiten.

Ich hoffe sehr, dass wir aufgenommen werden, da das seit langer Zeit schon mein Wunsch ist und damit ein Traum in Erfüllung gehen würde.

 

      

 

Selma engagiert sich zudem für jungen Studenten, welche vor dem Studium noch den Sprachkurs absolvieren müssen. Sie gibt ihnen Nachhilfe in Deutsch und begleitet sie beim Erledigen von “Papierkram“, da sie sich noch nicht so gut in Linz auskennen.

„Ich möchte ihnen das Gefühl geben, dass sie nicht alleine sind und sich bei Fragen immer an mich wenden können, auch wenn ich jünger bin. Ich habe drei von ihnen schon geholfen, Jobs zu finden. Ich habe sie besonders bei den Bewerbungen unterstützt.“

 

Auch in ihrer Schule gibt sie MitschülerInnen Nachhilfe und hilft wo sie kann. Sie will etwas von dem zurück geben was sie bekommt:

„Ich möchte mich für die tolle Unterstützung meinen Paten von T-Mobile Bedanken, ohne die ich diese Chance nie erhalten hätte.“

Sozial Aktion: Kekseverteilung der START Vorarlberg StipendiatInnen

Bereits am Samstag, den 25. November 2017, trafen sich elf fleißige Bäcker und Bäckerinnen – allesamt START-StipendiatInnen, bzw. START-Freunde – in einer der Schulküchen der HLW Marienberg Bregenz, um Kekse für einen guten Zweck zu backen.

Nun trafen sie sich am Fr, dem 01. Dezember 2017 in der Mehrerau Bregenz bei der Ausgabestelle des Vereins „Tischlein deck dich“ um die Kekse an bedürftige Menschen in Vorarlberg gratis zu verteilen.

Einige Eindrücke der START StipendiatInnen vor Ort:

Baris: „Es war meine erste Sozialaktion und die dank START. Es war eine gute Gelegenheit vorallem passend zur Weihnachtszeit, weil es das Fest der Liebe ist. Hier etwas zurückgeben zu können und andere damit glücklich zu machen war ein ganz anderes Gefühl. Interessant war es auch, dass die Menschen eigentlich sehr gesprächsfroh waren, also bereit auch von sich und ihr Leben zu erzählen. Für mich war es die erste START Veranstaltung und ich würde es sogar gerne jedes Jahr wieder mitdabei sein.“

Chirin: „Da ich soetwas noch nie gemacht habe, war ich total positiv übberascht, dass die Leute so offen über ihre Lage gesprochen haben. Ich konnte sie teilweise leider nicht so gut verstehen aber das konnte man mit Händen und Füßen dann doch noch regeln. Manche dieser Menschen haben mir berichtet, wie misslich ihre Lage ist und dass sie beispielsweise nicht genug zu essen bekommen. Diese Tatsache hat mich wirklich erschüttert, da ich mir nicht gedacht hätte, das es hier in Österreich Menschen gibt, die fast nicht unbedingt genug im Bauch haben. Ein paar der Leute mit denen ich gesprochen habe, erzählten mir außerdem, dass sie krankheitsbedingt in dieser Lage sind und nichts dafür können, dass sie nun so dastehen. Im allgemeinen hat mir diese Aktion sehr gut gefallen und ich habe einen realistischeren Eindruck von dem bekommen, was diese Menschen wohl durchmachen.“

Samet: „Auch wenn wir in einem wohlhabenden Staat wie Österreich leben, werden wir täglich mit Armut konfrontiert- Frauen, Kinder, Pensionisten taumeln auf den Straßen herum, um irgendwie das nötige Geld aufzubringen und über die Runden zu kommen. Sie leben am Rande der Gesellschaft und das muss nicht sein, denn jeder Mensch ist gleich viel wert, das gehört zu den Menschrechten und an die glaube ich. Ich glaube aber auch an Menschenpflichten, die Pflichten jedes einzelnen, etwas zur Gemeinschaft beizutragen. Wir sind aufeinander angewiesen und müssen auf die Zusammenarbeit setzen. Denn es kann jeden von uns treffen, was mir gestern bei der Ausgabe von „Tischlein Deck Dich“ mehr denn je klar wurde! Denn ich habe Menschen mit verzweifelten Gesichtern gesehen, unwissend was in der Zukunft noch auf sie wartet! Deshalb hat es mich überaus glücklich gemacht, im Namen von START, an dieser Aktion teilzunehmen und den Menschen ein Hauch von Lächeln und Hoffnung zu schenken.“ 

Ibrahem: „Meiner Meinung nach sucht sich keiner das Leben in dieser Art und Weise aus. Also dass sie auf Essen angewiesen sind. Ich konnte mit dieser Sozialaktion mit vielen Menschen reden, die aus dem gleichen Grund hier sind wie ich. Da sie nicht gut Deutsch konnten, habe ich mit ihnen auf arabisch geredet. Sie haben wir viel erzählt, wie es ihnen geht seit sie hier sind und was sie alles tun um ein gutes Leben zu haben. Viele haben Kinder und versuchen denen es leicht zu machen. Daher waren sie sehr froh, dass wir mit dieser Aktion da waren und ihnen etwas geschenkt haben. Sie haben sich alle sehr gefreut und haben sich mehrmals bedankt!“

 

Eine Initiative von den START Vorarlberg StipendiatInnen.

 

Einblicke von START Alumna Sümeyra Coskun

STILL ALIVE – START Vorarlberg Alumnis berichten

Selbst wenn die Matura bereits in der Tasche ist und meist sich die Wege von StipendiatInnen vom Ländle trennen ist es immer wieder schön den Ein oder Anderen durch die sozialen Medien mitzubefolgen. Dieses Mal war es ein Zeitraum über den Sommer, wo nicht nur die Sonne genossen wurde, sondern die Zeit sinnvoll genutzt wurde, um für das Studium oder den Beruf Erfahrung mittels Praktiken gesammelt wurde.

START Vorarlberg Alumna, Sümeyra Coskun, berichtet uns wie folgt:

Mai 2017: Gemeinsame Reise nach Prag für ein Achtsamkeitstraining mit START-Alumni Österreich
Für mich war das Achtsamkeitstraining in ihrer praktischen Ausführlichkeit etwas ungewohnt, aber interessant und hilfreich es zwei Tage lang mit vertrauten START-Alumni zu praktizieren und dabei sogar viel zu lachen und Spaß zu haben. Die Gruppe hatte eine ideale Größe, was auch den Austausch und die Reflektion nach jeder Übung gut ermöglichte, die ich für essentiell im Training hielt. Ich empfand die Achtsamkeitspraxis als eine Forderung und Förderung, meinen eigenen Körper besser wahrzunehmen und äußere Einflüsse da sein zu lassen. Besonders gefiel mir die Überlegung, wie man achtsam in all unseren alltäglichen Aktivitäten leben kann: beim Lernen, beim Essen, beim Spazieren, beim Kommunizieren, usw.

    
Achtsamkeit, engl. mindfulness – braucht nicht viel, um in uns und in unserem Leben Platz zu finden. Ein bewusstes Da-Sein im Moment, spüren, wie sich der Körper anfühlt, ein aufmerksames Hinhören und ein wohlwollender Umgang mit sich selbst.

   

Juni 2017: Hosting-Team bei der Projektschmiede in Vorarlberg
Ich bin seit Juni ein Teil des Hosting-Teams bei der Projektschmiede in Vorarlberg. Hier kann ich mein Erlerntes und Entwickeltes von der Art of Hosting Haltung und ihren Methoden– durch START mit 15 Jahren 2012 kennengelernt – anwenden und Menschen dabei unterstützen ihre Projekte zu „schmieden“. Es war eine tollt Erfahrung, zum ersten Mal als Co-Host eine Projektschmiede zu moderieren und neben einem inhaltlichen Input über das Zuhören den Rahmen der Projektschmiede zu „halten“.

 

August 2017: Sommeruniversität in St. Malo/Frankreich
Auch diesen Sommer durfte ich als Teilnehmerin der youngCaritas Vorarlberg/Österreich Delegation für vier Tage bei der Sommeruniversität in St. Malo/Frankreich teilnehmen. Diese intensiven Tage dienten dazu, mich zu engagieren, Erfahrungen zu sammeln, mich weltweit zu vernetzen, Österreich zu vertreten und mir Wissen im Bereich der Migrationsforschung und des interkulturellen und interreligiösen Dialogs anzueignen.
Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, ein zweites Mal an der Sommeruniversität teilzunehmen. Verschiedene Übungen in der Fraternité Gruppe und auch die Atmosphäre im Allgemeinen zeigten, dass sehr viele Menschen sich Frieden und Liebe wünschen. Dass sich dies aus den Ereignissen der Sommeruniversität sagen lässt, wo es um Kulturen, Religionen und Spiritualität ging, zeigt für mich, dass diese Aspekte (Kulturen, Religionen, Spiritualitäten, usw…) zum Frieden beitragen können und dass der Dialog nicht auf der theoretischen Ebene bleibt, sondern auch praktisch wirklich spürbar und erlebbar sein kann. Wenn wir wollen… wie es der Gründer Samuel Grzybowski von der Organisation Coexister in seinem Buch sagt: „Die Frage, die sich an uns heute wirklich stellt, ist nicht zu wissen, ob wir zusammenleben können, sondern vielmehr uns zu fragen, ob wir zusammenleben wollen.“

 

Seit November 2015: youngCaritas Speakerin
Als youngCaritas Speakerin von Vorarlberg engagiere ich mich im Rahmen der „Vielfalt (er)leben“-Workshops mit Kindern und Jugendlichen an Schulen, Vereinen und Unternehmen zum Thema Anti-Diskriminierung. Nebenbei erhalten wir auch Fortbildungen als Teammitglieder und Reise- und Vernetzungsangebote wie z.B. die Sommeruniversität in St. Malo/Frankreich.
https://www.caritas-vorarlberg.at/mithelfen/youngcaritas/youngcaritas-speaker/

 

September 2017: Teilstipendium bei der Zusammen-Österreich Akademie
Ich habe für mein kommendes Studienjahr 2017/18 ein Teilstipendium bei der Zusammen-Österreich Akademie erhalten. Am 29.09.17 war unsere Stipendienverleihung. Insgesamt sind es 89 studierende StipendiatInnen aus ganz Österreich mit 40 Studienrichtungen und verschiedenen Herkunftsländern. Es freute mich ebenso, dass ehemalige StipendiatInnen aus Salzburg und Wien auch ein Stipendium erhielten. Es erwarten uns dieses Jahr Coachings, Kulturprogramme, Bildungsreisen, Vernetzungsmöglichkeiten und vieles mehr…

 

Oktober 2017: Beginn meines 2. Studienjahres
Ich beginne mein 3. Semester meiner Bachelorstudien: Vergleichende Literaturwissenschaften (Komparatistik) und Erziehungswissenschaften an der Universität Innsbruck.

Sümeyra Coskun,
20 Jahre, START-Alumna Vorarlberg, Jahrgang IV, Matura 2015

Ein Jahr in Spanien: Ein Erfahrungsbericht von START-Wien Alumna Josipa Cvitic

Spanien. Zehn Monate. Arbeit in einem Kulturzentrum. WG-Leben. Gap-Year.

Das wusste ich als ich die Zusage für meinen Freiwilligendienst in der nordspanischen Stadt Santiago de Compostela bekommen habe. Zehn Monate sind es nun her, als ich meine Koffer gepackt und dieses neue Kapitel begonnen habe. Das habe ich erlebt.

 

  • Tätigkeiten und Aufgaben

Nachdem ich mein Projekt gefunden, Papierkram erledigt und mein Spanisch-Vokabular aufgepeppt habe ich mich auf den Weg nach Santiago de Compostela gemacht. Die Landeshauptstadt der Region Galicien im Nordwesten von Spanien ist bekannt für die etlichen Pilger, die den Jakobsweg zu Fuß oder Fahrrad erzwingen um zur Kathedrale zu gelangen, wo die Reliquien des Apostels Jakobus gefunden wurden.

Ich hingegen sollte da als Freiwillige in dem Kulturzentrum „O Ensanche“ (Galicisch für „die Erweiterung“) arbeiten. Meine Tätigkeiten haben sich im Laufe der Zeit langsam vermehrt und verbessert. Wegen meinem gebrochenen Spanisch in den ersten Monaten verbrachte ich meine Zeit, indem ich die unterschiedlichen Aktivitäten des Zentrums kennen lernte und dabei assistierte. Exkursionen, Schachunterricht, ein Lesezirkel, Bastel- und Spielstunden mit Kindern waren alles Teil des Programms. Später konnte ich meine eigenen Kurse starten  und initiierte Deutsch- und Englischkonversationskurse, sowie einen wöchentlichen Schachclub. Im Juli endeten sämtliche Kurse, denn es startete das Feriencamp „Pequenos Reporteiros“ (Kleine Reporter) für Kinder. Ich arbeitete als Betreuerin und organisierte Spiele und Aktivitäten.

  • Regionalsprache, Pilger und Dudelsack – Willkommen in Galicien

Die Region Galicien, die meine neue Heimat für die kommenden Monate sein würde, erschien mir zunächst als die vergessene, erstaunlich nicht-spanische Region des Landes. Anstatt Sonnenschein, rechnet man manchmal mit wochenlangem Regen. Dudelsack findet man anstelle der typisch spanischen Gitarre und die Regionalsprache Galicisch klingt mehr nach Portugiesisch als nach Spanisch. Einige Dinge bleiben jedoch gleich; die Freundlichkeit der Menschen, sowie ihre positive und entspannte Einstellung.

  • Freizeit und WG-Leben

Gelebt habe ich in einer Wohnung mit vier anderen Freiwilligen. Sie kamen aus Dänemark, Deutschland, Kroatien und der Türkei und arbeiteten für ähnliche Projekte. Umgangssprache war Englisch, da wir es anfangs deutlich einfacher als Spanisch fanden. Wenn man mit Menschen aus anderen Ländern lebt, lernt man die Kultur und das Land auf eine ganz eigene Weise kennen. Erst beim Zusammensein bemerkt man Werte und unscheinbare Aspekte der Kultur, die bei kurzen, oberflächlichen Begegnungen oft untergehen. Neben der Arbeit blieb uns auch meist viel Zeit um unseren Hobbys nachzugehen, zu reisen und Neues auszuprobieren.

Das eigene Leben in dem anderen Land unterscheidet sich stark zu seinem alten. Ich zum Beispiel schätze diese Erfahrung sehr, da es mir einen Einblick in die spanische, aber auch andere Kulturen ermöglicht hat. Ich lernte Spanisch und verstehe nun auch etwas Galicisch. In vielen Situationen war ich auf mich alleine gestellt, sei es in der Arbeit, im Alltag oder auf Reisen. So lernte ich selbstständig zu sein und mich Schwierigkeiten oder Herausforderungen anzunehmen. Kurz gesagt würde ich einen Freiwilligendienst allen jungen Menschen empfehlen, die Auslandserfahrungen sammeln, etwas Neues erleben und sich weiterentwickeln möchten!

 

  • EFD – Ein Überblick

Was ist der EFD? „Der Europäische Freiwilligendienst (EFD) bietet jungen Menschen die Möglichkeit, für einige Zeit ins Ausland zu gehen und sich dort in einem gemeinnützigen Projekt oder in einer Organisation zu engagieren. Es sind keinerlei Vorkenntnisse erforderlich und die Liste der möglichen Einsatzorte ist vielfältig.“ (vgl. Webseite von JugendinAktion)

Wer kann mitmachen? Jugendliche zwischen 17 und 30 Jahren. In Österreich kann man den EFD auch als Zivildienst absolvieren!

Wie lange dauert der Aufenthalt? Je nach Projekt kann man für zwei bis zwölf Monate im Ausland tätig sein.

Was bietet der EFD?

Youthpass – ein Zertifikat, das man selber auf mehreren Sprachen schreiben kann. Der gesamte Aufenthalt ist finanziert, daher sind der Großteil der Reisekosten, Unterkunft,Versicherung,  sowie Verpflegung in Form von Essens- und Taschengeld mitinbegriffen. Alle Freiwillige besuchen außerdem  Seminare mit anderen Freiwilligen im eigenen Land und im Gastland, um besser auf ihre Arbeit vorbereitet zu werden.

Übrigens haben Freiwillige weiterhin Anspruch auf die Familienbeihilfe, da man sich im Zuge des Freiwilligendienstes weiterbildet.

Was hat man davon? Eine einmalige Auslandserfahrung, Erwerb einer neuen Sprache, neue internationale Bekanntschaften und Freunde, sowie die Chance etwas Positives in der Gesellschaft zu bewirken.

Mehr Informationen zum EFD und zum Bewerbungsprozess findet man auf:

http://europa.eu/youth/eu/article/46/894_de

 

Hatice Ertürk über ihr Soziales Engagement

Meine Freizeit nutze ich indem ich die Menschen im Altersheim besuche. Es gibt eine bestimmte Dame, die ich regelmäßig alle zwei Wochen besuche. Sie ist der eigentliche Grund, warum ich mich entschied öfters ins Altersheim zu gehen.

Ich habe sie im Februar 2016 durch meine alte Nachbarin kennengelernt. Im Sommer ist unsere Beziehung zu einander stärker geworden, weil ich sie, während meiner Ferialtätigkeit, einmal die Woche – in der Mittagspause – besucht habe. Immer wenn ich dort bin, ladet sie mich zu einem Kaffee ein und kommen meistens in ein tiefes Gespräch. Leider können wir nicht hinausgehen um zu spazieren, weil sie an Übergewichtig leidet und leider blind ist. Sie wünscht sich daher nur jemanden zum Reden. Sie muss auf ihre Ernährung achten und darf deswegen nichts Süßes essen. Daher bringe ich ihr hin und wieder einen Plunder aus der Konditorei mit.

Am Meisten vermisst sie das türkische Essen. Selbst dann kocht meine Mutter manchmal für sie. Wenn ich eine längere Zeit sie nicht besuchen kann, weil ich für meine Schule lernen muss, ruft sie meistens meine Mutter an und fragt nach warum ich nicht vorbeigekommen sei. Auch ich fühle mich sehr wohl und glücklich bei ihr, weil ich das Gefühl bekomme, dass ich so jemanden etwas Gutes leisten kann.

Mein soziales Engagement hat auch beim Bewerbungsgespräch zu START eine wichtige Rolle gespielt. Ich, Hatice Ertürk, bin seit September 2016 beim START-Stipendium dabei und gehöre zu dem 8. Jahrgang. Durch das START-Stipendium habe ich sehr viele nette und begabte Jugendliche aus verschiedenen Kulturen kennengelernt. START gibt uns auch die Möglichkeit uns weiterzubilden und uns weiterhin sozial zu engagieren. Ich finde das Programm sehr nützlich, weil man sehr hilfreiche Tipps für das zukünftige Leben erhalten kann. Da das START-Team an uns glaubt und hinter uns steht, bekommt man mehr Selbstvertrauen.

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich beim Herrn Mag. Braun für die Patenschaft, bei der Familie Dearstyne und bei dem START-Team bedanken, die mir das alles ermöglicht haben. Vielen Dank für Eure Unterstützung!

Ein Bericht von START-Stipendiatin Hatice Ertürk

START-Stipendiatin als Lehrerin

START-Stipendiatin Paola spendet ihre Freizeit anderen Menschen und das nicht nur, weil START von seinen Jugendlichen soziales Engagement erwartet, sondern, weil sie gerne anderen hilft und ihr Wissen anderen zur Verfügung stellen will.

Paola erzählt von ihre Tätigkeit als Lehrerin in der Bulgarischen Schule „Dunav“:

 

Hallo,

ich bin Paola und komme aus Bulgarien. Ich habe die ersten 15 Jahre dort verbracht und habe dadurch ausreichende Hintergrundskenntnisse für mein Engagement als Hilfslehrerin in der Bulgarische Schule „Dunav“ in Linz.

„Dunav“ bedeutet auf Deutsch „Donau“. Dieser bekannte Fluss ist ein Symbol für die Verbindung zwischen Bulgarien und Österreich. Wie Donau durch Österreich und Bulgarien fließt, so gibt es in der bulgarische Schule Kinder in verschiedenen und einzigartigen Situationen. Einige sind in Österreich geboren und können von ein bisschen bis perfektes Bulgarisch, andere kommen in Österreich erst jetzt und haben große Schwierigkeiten Freunde zu finden und sich hier zu integrieren. Durch gemeinsames Lernen und Feiern bulgarischer Traditionen findet jeder seinen neuen Platz in dem neuen Umfeld.

Nach diesen allgemeinen Informationen will ich euch über mein Engagement erzählen. Ich helfe in der ersten und zweiten Klasse, das bedeutet, dass meine Aufgabe ist, bei dem Aufbau der Grundlagen einer Sprache zu helfen.

Sehr schwierig ist es besonders für die Kinder in der ersten Klasse, weil sie nicht nur eine neue Sprache lernen, sondern auch ein neues Alphabet. In Bulgarien schreiben wir, ähnlich wie in Russland mit kyrillischen Buchstaben und die kleinen Schüler haben die Herausforderungen 30 neue Buchstaben zu lernen.

Zusätzlich verstehen nicht alle bulgarisch auf demselben Niveau und hier kommt meine Aufgabe. Ich arbeite mit den Kindern, die die Aufgaben schnell machen, damit sie Betreuung haben sobald sie mit ihren Aufgaben fertig sind und ihre Zeit in der Schule sinnvoll nutzen können, während die Lehrerin mit den anderen Schüler langsamer und manchmal individuell arbeitet.

Zweite Klasse lernt schon die Grundlagen der Grammatik und Rechtschreibregeln und da brauchen sie auch zusätzliche Hilfe, weil sie in Österreich für Bulgarisch mindestens zweimal weniger Zeit als in Bulgarien verwenden.

Obwohl Lernen in der Schule der Schwerpunkt ist, feiern wir auch unsere Traditionen, die sie teilweise von den österreichischen unterscheidet. Mit Basteln, Malen und Spielen fühlen sich die Kinder und ihre Eltern mit ihrer Heimat verbunden.

Besonders wichtig dabei sind die Theaterstücke, die einige Schüler mit Interesse in dieser Richtung, ausführen. Sie zeigen bulgarische Sitten und Bräuche oder spielen Szenen aus berühmten bulgarischen Werken und bringen sie so auch Österreichern näher.

Ich helfe auch dabei. Meine Rolle dort ist Betreuerin, vorher auch Schauspielerin. Es ist wirklich lustig, mit Kindern zu arbeiten und es gibt mir ein besonders Gefühl, nämlich etwas Sinnvolles zu tun. Ich helfe jeden Samstag von zehn bis zwei Uhr und diese vier Stunden pro Woche geben mir eine einzigartige Freude.

Und wie man sagt: ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Hier habe ich einige Fotos von der Schule in Linz und in Salzburg mitgebracht: