In diesem Beitrag könnt ihr die Rede unserer neuen Stipendiatin Mohaddese bei der Begrüßungsfeier lesen:
„Liebe Familien, liebe Freunde, liebe Patinnen und Paten!
Heute sind wir alle hier zusammengekommen, um diesen besonderen Tag miteinander zu feiern. Ich stehe hier und jetzt vor euch, weil ich den besonderen Wunsch hege, euch von meiner Vergangenheit, meinen Zielen, den Erfahrungen, die zu meiner Weiterentwicklung beigetragen haben, und vor allem davon, wer ich überhaupt bin, zu erzählen.
Ich bin Mohadisa (Mohaddese) Jafari, 16 Jahre alt. Im Grunde bin ich eine Geflüchtete, die seit 2015, wie viele andere Migrantinnen und Migranten, in Österreich lebt. Meine Wurzeln liegen in Afghanistan, doch geboren und aufgewachsen bin ich im Iran. Deshalb habe ich mein Heimatland nie mit eigenen Augen gesehen. Doch in den letzten zehn Jahren habe ich dies kaum gespürt. Der Grund dafür sind die Menschen, die mich mit offenen Armen empfangen haben, die unersetzbaren Erinnerungen, die ich in dieser Zeit sammeln durfte, die Tatsache, dass es mir nie an Speis und Trank gefehlt hat, sowie die internationalen Freundschaften, die mich durch gute wie auch durch schwere Zeiten begleitet haben.
Nun kann ich mit voller Überzeugung sagen, dass diese Reise ein Segen war.
Davon bin ich fest überzeugt, denn wäre es anders gelaufen, hätte ich nie das START-Stipendienprogramm kennengelernt. Ich würde heute nicht hier vor euch stehen und an diesem Abend meine offizielle Aufnahme in dieses herausragende Programm miterleben. Mit Stolz und erhobenem Haupt werde ich das Zertifikat entgegennehmen. Denn es ist nicht nur ein Stück Papier wie viele andere. Es ist vielmehr die Comfortzone vieler, ein Ort des Verstehens, ein Grund für Freude an der Schule, eine finanzielle Unterstützung, wenn das Leben aus der Bahn gerät und vor allem ein Ort der Akzeptanz.
Durch die einzigartigen Workshops und Seminare habe ich unersetzbare Freundschaften geschlossen, herausragende Erfahrungen gesammelt und diese für meine persönliche Weiterentwicklung genutzt. Ich bin bei weitem noch nicht die beste Version meines Ichs, doch ich bin die bessere Version von gestern und das ist es, was wirklich zählt. Denn eines Tages werde ich mein bestes Selbst sein, allerdings nicht ohne Unterstützung. Genau diese Art der Unterstützung gehört zu den herausragenden Eigenschaften dieser großartigen Organisation. Für das Vertrauen in mich bin ich unendlich dankbar und werde es immer sein.
Trotzdem sind all diese Erfahrungen nicht das eigentliche Highlight, sondern das Gefühl, angekommen zu sein, das Gefühl, eine zweite Familie gefunden zu haben. Jeder Stipi hier kann das bestätigen. Für uns ist START nicht einfach ein Programm, das es seit 19 Jahren gibt, sondern eine Familie, in der wir jederzeit willkommen sind.
Ich bin aus tiefstem Herzen für dieses Erlebnis dankbar und ich weiß, dass ich im Namen aller Stipis spreche. Ein herzliches Dankeschön an die wunderbaren Mentorinnen Katrin Bernd, Elisabeth Pointner und Samira Hemati sowie an unseren großartigen Mentor Marcel Zinneha, die uns dieses unvergessliche und einzigartige Gefühl ermöglicht haben. Danke für euren Glauben an uns!
Meine Zukunft, das bin ich. Mein Herzenswunsch ist es, anderen dieses wundervolle Gefühl zu schenken: nicht allein zu sein, verstanden zu werden, einen Ort Heimat nennen zu können und Teil einer Familie zu sein, die nicht aus Blutsverwandten besteht. Jeder einzelne Mensch sollte studieren und träumen dürfen und dies auch verwirklichen können. Völlig unabhängig von Herkunft, sozialem Status und vor allem vom Geschlecht. Diese jetzt noch unvorstellbare Zukunft werde ich mit allem in meiner Macht Stehenden Realität werden lassen. Das verspreche ich hier und jetzt!
Letztlich will ich meine Rede mit einem Dankeschön an meine Mutter beenden, denn ohne sie würde ich nicht auf dieser Bühne stehen.“


