Was ist Gebärdensprache?

Vergangenen Dienstag hatten die Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Salzburg Gelegenheit, dieser Frage nachzugehen. Reinhard Grobbauer ist Leiter des Gehörlosenzentrums in Salzburg und selber gehörlos. In einem spannenden Vortrag erzählte Herr Grobbauer von sich selbst und seinen persönlichen Erfahrungen, wie Gebärdensprache funktioniert und auch wie sich die Situation gehörloser Menschen im Laufe der Geschichte geändert hat. Gebärdendolmetscher Andreas Schodterer vom Gehörlosenverband Salzburg übersetzte für uns.

Zaynab, Ali, Mahdi und Maisam mit Gebärdendolmetscher Andreas Schodterer

 

Im Bundesland Salzburg leben in etwa 600 Menschen, die von Gehörlosigkeit betroffen sind, wobei natürlich wesentlich mehr an Hörbeeinträchtigungen leiden. Gehörlosigkeit wird nur in ganz seltenen Fällen vererbt. In der Antike und im Mittelalter wurden taube Menschen nicht als vollwertig anerkannt, so meinte etwas Aristoteles: „Wer nicht hören und nicht sprechen kann, kann auch nicht denken.“ Erst ab dem Ende des Mittelalters entstanden ausgehend von Frankreich Schulen für gehörlose Kinder.

 

 

Reinhard Grobbauer, Leiter des Gehörlosenzentrums Salzburg

Ein großer Rückschritt erfolgte auf einer Konferenz Ende des 19. Jahrhunderts in Mailand, als sich unter Wissenschaftern und Pädagogen die Ansicht durchsetzte, gehörlose Kinder könnten normal sprechen lernen, wenn man die Gebärdensprache in den Schulen verbietet. Als Reaktion darauf entstanden viele Vereine, die die Interessen von gehörlosen Menschen vertraten, so auch in Salzburg. Erst seit 2005 ist die Gebärdensprache in Österreich als Sprache anerkannt.

Unsere Stipis waren sehr interessiert daran zu erfahren, ob Gebärdensprache überall auf der Welt gleich ist. Herr Grobbauer klärte uns darüber auf, dass Gebärdensprache kulturell unterschiedlich ist, so gibt es in Österreich auch regionale Dialekte in der Gebärdensprache. Während es für jemanden mit Lautsprache jedoch fast unmöglich ist, sich über große Kulturgrenzen hinweg zu verständigen (z.B. Österreich – China), ist es für jemanden, der die Gebärdensprache beherrscht, leichter möglich, zumindest ein wenig kommunizieren zu können.

Am Ende des Gesprächs zeigte uns Herr Grobbauer noch das Buchstabier-ABC. Alle lernten ihren Namen zu buchstabieren und auch ein paar einfache Gebärden wie z.B. Guten Morgen und Guten Abend. Die Zeit verging wie im Fluge, gerne hätten wir noch mehr über das Thema erfahren. Ganz herzlich möchten wir uns bei Reinhard Grobbauer und Andreas Schodterer für den interessanten Vortrag und das spannende Gespräch bedanken!