Spurensuche: Nationalsozialismus in Salzburg

Der Historiker Dr. Alexander Prenninger gestaltete für unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten vergangenen Freitag einen interessanten Workshop zum Thema „Nationalsozialismus in Österreich“. Er erläuterte uns die historischen Zusammenhänge, wie es überhaupt zur Machtergreifung der Nationalsozialisten gekommen war. Für die Stipis war das besonders interessant, da vergangene Woche die Gedenkfeiern zum „Anschluss“ Österreichs an Deutschland stattgefunden hatten und sie von Hr. Prenninger die Hintergründe erläutert bekamen.  Ein wichtiger Teil der Bildungsveranstaltung war das Thema Antisemitismus und Judenverfolgung. Die Herrschaft der Nationalsozialisten gipfelte im Vernichtungskrieg und dem Holocaust. Nach dem Ende des Krieges gab es in Österreich lange Zeit keine ehrliche politische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Viele Nazis wurden für ihre Taten nicht zur Verantwortung gezogen.

Nach dem theoretischen Teil machten wir uns auf den Weg durch die Salzburger Altstadt. An vielen Plätzen, Gedenktafeln und zentralen Orten der Stadt klärte uns Herr Dr. Prenninger über die historische Bedeutung auf. So wurde zum Beispiel die Staatsbrücke von Zwangsarbeitern erbaut, allerdings wurde diese Tatsache lange Zeit von der Stadtverwaltung verschwiegen. Der Makartplatz hieß in der Zeit des Nationalsozialismus „Adolf-Hitler-Platz“.  Der NS-Verbrecher Hans Höfle lebte lange Zeit unbehelligt in Salzburg. Er wurde erst in den 1960er Jahren angeklagt und beging im Gefängnis Selbstmord. So wie Hans Höfle sind viele NS Verbrecher nach dem Krieg freigesprochen worden bzw. von der Justiz unbehelligt geblieben.

Eine wichtige Diskussion unter den Stipis drehte sich um die Frage der Verantwortung. Wie hätte ich damals gehandelt? Ist es in Ordnung, mit dem Strom mit zu schwimmen, solange man selber keine Verbrechen begeht? Wir wissen nicht, wie wir damals gehandelt hätten. Aber wir wissen, was damals passiert ist, und wir haben heute die Möglichkeit und die Verantwortung, für Demokratie und Menschenrechte und gegen jede Form von Rassismus, Hetze und Diskriminierung aufzutreten.