Kickboxen-Weltmeisterschaftserfolge in Orlando, USA

„Kumm scho Orhan! Nur no 20 Sekunden!“ waren die Rufe, die man hörte bevor es vorbei war. Aber fangen wir ganz am Anfang an:

Alles begann mit dem Flug am 22.September in die Vereinigte Staaten, welcher nicht so reibungslos verlief wie erhofft. Ich wurde zwei Mal von der Homeland Security kontrolliert – einmal in Zürich(Abflug) und einmal in Orlando(Ankunft). Nach den Sicherheitskontrollen in Orlando ging es erst mal ins Hotel und danach in ein amerikanisches Restaurant. Der Jetlag war kaum zu spüren, jedoch war es komisch, wenn man in Zürich um 08.00 Uhr abfliegt und nach 12 Stunden um 17.00 Uhr ankommt.

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Nichts desto trotz wurde am 3.Tag in Amerika, dem 24.September, fleißig trainiert. Eins muss man dazu noch sagen: Orlando an sich ist klimatisch sehr warm und feucht, aber sobald man einen geschlossenen Raum betritt, fühlt man sich wie bei uns in Österreich – überall bis zu 20°C klimatisiert. Wichtig dabei war aber, sich bei Belastung an die feuchte und warme Umgebungsluft zu gewöhnen und somit die Akklimatisierungsphase abschließen zu können. Danach folgte die offizielle Eröffnungsfeier der Weltmeisterschaft.

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Am Montag, dem 26.September, fing die Meisterschaft auch schon an. Am ersten Tag des Turniers kamen die Vorrunden für Formen bzw. die Mädchen-Kategorien dran. Für mich hieß es zuschauen und die Mädchen aus dem Team unterstützen. Nach 4 Tagen warten konnte ich dann endlich am Dienstag, den 27.September, auf meiner ersten Weltmeisterschaft starten. Wegen der einstündigen Aufwärmphase war ich auch bestens vorbereitet auf den Kampf. Mein erster Kampf war gegen einen Amerikaner. Trotz der Nervosität konnte ich den Gegner mit 2 Punkten Differenz besiegen und somit in die nächste Runde aufsteigen. Mein nächster Gegner war wieder ein Amerikane. Bei ca. 200 Amerikanern bei der Meisterschaft war das kein Wunder. Diesen analysierte ich von vornherein und wusste somit auf was ich achten muss. Diesmal musste ich mich besonders konzentrieren, da der Gegner ein Weltmeister-Favorit war, also ein schwieriger Gegner. Gegen Ende war es sogar noch ziemlich knapp, weil der Amerikaner ein Punkt in Führung war und ich in den letzten Sekunden das Unentschieden geholt hab und mir somit die eine Minute Verlängerung holen konnte. In der Verlängerung habe ich dem Favoriten aber keine Chance gegeben und mit 3 Punkten Führung mich ins Finale gekämpft. Somit war das Schwierigste schon getan.

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Am Mittwoch war für die Mädchen-Kategorien das Finale und wieder mussten wir das Team anfeuern. Den restlichen Tag nutzten wir für die Analyse des Finalgegners aus Guatemala.  Aus der Analyse konnte ich ungefähr herausfinden wie mein nächster Gegner kämpft und mich somit ihm anpassen. Das einzige Problem war, dass das gegnerische Team mich ebenfalls analysierte, also musste ich überlegt und ohne Fehler kämpfen.

Nun kam der Tag auf den ich mich so lang vorbereitet hab. Der Donnerstag bzw. der Finaltag für alle Männer-Kategorien. Hier kam ich ziemlich schnell dran und stand auf einmal auf der Matte vor meinem Gegner. „Nur vier Minuten und ich könnte Weltmeister werden“, dachte ich mir andauernd um mich zu beruhigen. Ich wusste, wenn es los geht darf ich keine Fehler machen und keine Chancen verpassen. „Fighter, ready? Shake hands. FIGHT!“, sagte der Schiedsrichter und startete den Kampf. Ich habe den ersten Punkt geholt und hatte direkt die Führungsrolle gesichert. Jetzt musste ich nur noch warten, ihn angreifen lassen und kontern. Somit hatte ich für die erste Hälfte meine Strategie. In der zweiten Hälfte stand ich schon in Führung und durfte diese Führung egal was passiert nicht verlieren. Also habe ich Druck gemacht und Angriffe vorgetäuscht, damit die Führungsrolle erhalten blieb. Mit dieser Taktik habe ich am Schluss mein Finalgegner besiegt und konnte eine goldene Medaille mit nach Hause nehmen.

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Zusammengefasst kann ich sagen, dass es schön war so viele Menschen zu treffen, die alle das gleiche Ziel haben. Ich nahm nicht nur eine goldene Medaille mit nach Hause, sondern auch sehr viel Erfahrung was das Kämpfen betrifft, da ich den verschiedenen Kämpfern aus verschiedenen Ländern zuschauen konnte. Außerdem wollte ich immer mal nach Amerika, diesen Wunsch konnte ich mir damit auch erfüllen. Das Ziel ist nun die nächste WM in Irland!

 

– Orhan Cebe