Wie sehr darf die Religion in den Staat einfließen?

In Österreich ist allen Religionen, Religionsfreiheit garantiert. Das bedeutet: Man darf nicht nur glauben, was man möchte, man darf diesen Glauben auch offiziell ausüben, darf Gottesdienste besuchen sowie abhalten, kann Religionsunterricht erhalten und einiges mehr. Die Schutzfunktion von Religionsgemeinschaften gilt übrigens auch für Atheisten und Agnostiker, denn sie legt fest, dass niemand zur Religionsausübung gezwungen werden darf.

Gemeinsam mit PolEdu haben wir uns aber die Frage gestellt „wie sehr dürfen Religion und Staat zusammenhängen?“ In Österreich und vielen anderen europäischen Staaten sind Politik und Religion voneinander getrennt. Diese Trennung nennt man Säkularität. Das heißt, der Staat verhält sich neutral gegenüber allen Religionen, algemein gegenüber allen Menschen, ganz egal, ob sie eine Religion ausleben oder nicht. Dies gilt für alle Religionen. Diese Trennung kommt aber nicht von heute auf morgen, sondern entwickelte sich mit der Zeit. Sehr lange war es in Europa die katholische Kirche, die die Politik beeinflusste.  Erst ab dem 18. Jahrhundert wurde die Religion für viele wenig relevanter, es wurde mehr als „private Angelegenheit“ gesehen.

Auch wenn Österreich offiziell neutral ist, spürt die muslimische Community immer wieder die Benachteiligung. Das heißt die Arbeitsuche ist für viele Kopftuchtragende Frauen um einiges schwerer, die Wohnungssuche stellt sich als eine Herausforderung, die hasserfüllten Wahlplakate gegen die Muslime wird immer mehr normalisiert. In vielen wichtigen Berufen wie Richter, Juristen, Polizei, Lehrer usw. ist es Frauen mit Kopftuch nicht gestattet dort zu arbeiten, dies hat das Bundesverfassungsgericht entschieden. Sie argumentieren „man müsse auch nach außen hin neutral wirken.“ Dennoch hängt in den meisten Gerichtssälen ein Kreuz, ebenfalls auch in sehr vielen Klassen.

In dieser Diskussion kam die Theokratie zur Sprache, von Theokratie spricht man, wenn die Politik und Religion nicht voneinander getrennt sind. So wie in vielen arabischen Länder, hier leiten sich viele Gesetze von der Religion ab. Dies kann zu Frieden führen aber auch zum Zwang. So haben wir viel über das Pflicht von Kopftuch tragen oder das man ohne männliche Begleitung nicht raus dürfe, gesprochen.

Im Endeffekt sind wir alle zu dem Entschluss gekommen, dass die Religion nicht in den Staat fließen sollte. Es wird immer eine Gruppe geben die nicht religiös ist, um diese zu schützen sollte die Trennung in allen Ländern sein.

Eine Reflexion von START-Wien Stipendiatin Rawina.

Wir starten mit unseren Buchclubs!

Was ist dein Lieblingsbuch? Welche Erwartungen hast du an den Buchclub? Mein Lieblingsbuch ist… Und habe ich eigentlich ein einziges Lieblingsbuch oder beeindrucken und beeinflussen mich viele Bücher und Geschichten? Die Antworten waren so vielfältig, wie die Erwartungen an den START-Wien Buchclub.

Wir haben uns für die Bücher „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood und „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson (demokratisch) entschieden, beide Romane sind bekannte Besteller, wurden in vielen Sprachen übersetzt und zu Filmen und Serien adaptiert.

In der heutigen Einheit besprachen wir die ersten Kapitel der Romane, dabei wurde der Inhalt interaktiv durch ein Quiz vermittelt und die Protagonist*innen durch Rollenspiele eingehender analysiert. Anregend und informativ waren die Diskussionen, die über den Inhalt hinaus gingen und aktuelle Themen und Debatten, wie Diktatur, Religion, Gesellschaftsmodelle, Feminismus und Diskriminierung („Der Report der Magd“) oder Weltgeschichte, Abenteuer, hohes Lebensalter, Altersheime und Sterben („Der Hundertjährige“) beinhalteten.

Und am Ende der ersten Einheit waren sich die Leser*innen sehr einig, der Buchclub war „überhaupt nicht langweilig, sondern sehr interessant und spannend“. Da leuchtet das literarische Herz! Ein herzliches Danke geht an unsere START-Alumna Zuzana, die die Buchclubs leitet!

Es war wirklich sehr sehr cool, Zuzana hatte nicht so eine „to do“ liste die sie abhacken wollte sondern sie hat drauf geschaut was wir so besprechen wollen. Fand es außerdem sehr gut, dass wir nicht nur den Inhalt sondern auch die Themen die vorkommen, besprochen haben. -Rawina

Ich fand die Gestaltung und den Ablauf des Buchclubs sehr spannenden und mega interessant, da wir über aktuelle Themen diskutieren konnten, die in unserer Gesellschaft tabuisiert sind. -Mariam

Ich fand den Buchclub sehr amüsant und interessant.
Es hat mich zum Nachdenken gebracht. Anders als meine Erwartungen haben wir nicht nur die Geschichte des Buches besprochen, sondern auch die Ereignisse des Buches mit Themen aus unserer Gesellschaft verknüpft. Das hat dazu geführt, dass wir die Hintergedanken des Autors besser interpretieren konnten. Sehr interessant! -Omran

Wieder heute dürfte ich ein neues Erlebnis trotz der Pandemie durch Start erleben. Zum ersten Mal war ich heute vor paar Stunden in einem Zoommeeting eines Buchclubs, es war sehr unterhaltsam, wir haben über das Buch gesprochen und haben die Figuren charakterisiert, dazu noch haben wir Trailer der Verfilmung des Buches gesehen. Das Thema war spannend und betrifft unsere Gesellschaft. -Asmaa

Der Workshop war super spannender als ich mir vorgestellt habe. Wir haben die fundamentalen Themen aus dem Buch in Betracht gezogen und diese mit den heutigen gesellschaftlichen Komplikationen verglichen. Darüber hinaus fand ich das Quiz auch super gut! -Mostafa

Start-Alumna Sana als Global Youth Reporter zum Thema Rassismus

Täglich sind wir Rassismus und Diskriminierung ausgesetzt. Ob wegen unserer ethnischen Herkunft, unserer Hautfarbe, unserer Religion, unserer Sprache und Kultur oder unserem Migrationshintergrund erleben wir täglich Rassismus. Rassismus beeinflusst uns alle subjektiv und die Frage lautet “was können wir nur dagegen tun?”

Durch meine Teilnahme an der Konferenz Women2Women in Boston 2019, die mir START und die US-Botschaft ermöglicht haben, bin ich auf “Team Harmony Foundation” gestoßen. Team Harmony ist eine gemeinnützige Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat, Jugendliche im Kampf gegen Hass in all seinen Formen zu erziehen, zu inspirieren und zu engagieren. 

Um dieses Ziel zu erreichen, veröffentlichte Team Harmony bereits am 20.10.2020 die erste Folge ihrer Serie “HATE: WHAT ARE YOU GOING TO DO?”. Diese ist eine Reihe von sechs 45-minütigen virtuellen Programmen, die den Zustand des Hasses weltweit erforschen.  Team Harmony erreichte etwa 100 Jugendliche bzw. “Youth Reporters” weltweit, die die Aufgabe haben durch Interviews und Diskussionen mit politischen Figuren sowie Jugendlichen zu zeigen, wie sie Rassismus in Ihrer Gesellschaft erleben und wie sie diesen bekämpfen.

Ich als Youth-Reporterin in Österreich habe beschlossen, Jugendliche und ehemalige START-Stipendiaten über ihre Erfahrungen und Gedanken zu Rassismus zu interviewen und zu zeigen, wie sie mit Rassismus umgehen. Ebenso durfte ich Mugtaba Hamoudah, einen BLM Aktivisten und ehemaligen START-Stipendiaten, der die Blacklivesmatter Demo in Wien organisiert hat, interviewen.

Mit drei anderen Youth Reporters wurde ich gewählt, um an der ersten Folge der Serie teilzunehmen. Unsere Gäste in der ersten Folge sind Brandon Leake, der Gewinner von Americans Got Talent 2015, sowie die US-amerikansiche Politikerin Ayanna Pressly, der amerikanische Autor, Redner und Gründer des Free Radicals Project, Christian Picciolini und Jonathan Greenblatt, der Nationaldirektor und CEO der Anti-Defamtion League. 

Die erste Folge sowie meine Story können Sie unter https://youtu.be/EFeR1sKL2zU finden. Mehr info zu Team Harmony finden Sie unter: https://teamharmonyfoundation.org/

Bericht: Sana Mohlm, START-Wien Absolventin