Zivilcourage Online Training

START-Wien Stipendiatin Rawina über das Zivilcourage Online Training, ein Angebot des Mauthausen Komitee Österreich.

Am Dienstag, den 27.10.2020, habe ich an einem Workshop zu Zivilcourage teilgenommen.

„Mut, den jemand beweist, indem er humane und demokratische Werte (z. B. Menschenwürde, Gerechtigkeit) ohne Rücksicht auf eventuelle Folgen in der Öffentlichkeit, gegenüber Obrigkeiten, Vorgesetzten o. Ä. vertritt“, so definiert Google Zivilcourage.

Wir haben aber nach einer Begrüßung und Vorstellungsrunde uns die Frage gestellt was wir unter Zivilcourage verstehen oder uns vorstellen.  Es kamen verschiedene Antworten, was mir auch auffiel war, dass viele unter Zivilcourage Solidarität verstehen.

Ebenso wurden viele Geschichten erzählt, wo man sich Zivilcourage erhofft hätte. Wir sind, aufgrund dieser Geschichten auch sehr oft zum Rassismus rüber geswitched. Denn oft geht man von Rassismus aus wenn dort, wo Hilfe benötigt wird, keine geleistet wird. Ein Beispiel wurde von Abbas erzählt hat. Eine chechenische Frau ertrinkt in der Donau, rundherum sind Menschen, die alle höchstwahrscheinlich sehr gut schwimmen können, ignorieren und schauen weg. Eine Gruppe von Jugendlichen, die aber sehr weit von ihr weg waren, rennen hin und helfen der Frau. Dachte sich jetzt jeder „einer hier wird schon helfen“ oder war es doch weil sie Kopftuch trug? Solche Fragen haben uns lange beschäftigt und ich fand es auch sehr beeindruckend die verschiedenen Meinungen zu hören und wie sie diese vertreten.

Wir haben uns danach ein Video angeschaut wo eine Muslima in der Straßenbahn von 2 Typen aufgrund ihres Kopftuches beleidigt und nieder gemacht wird. Die Menschen sahen alle weg, bis auf eine Frau. Sie täuschte einen Anfall vor um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und so der Frau zu helfen.  Die Aufmerksamkeit war sofort auf sich gelenkt, die Masse sammelte sich um sie, um evtl die Rettung zu rufen. Hier haben wir uns auch gefragt wie sich die Muslima fühlt, ist sie dankbar, dass man sie jetzt in Ruhe lässt oder fühlt sie sich verarscht weil bei ihr die Masse nicht eingegriffen hat? Ich glaube beides.

Außerdem haben wir die verschiedene Schritte besprochen; hier findet ihr ähnliche: https://gschichtldruckerei.com/2017/09/18/10-schritte-fuer-mehr-zivilcourage-im-alltag

Nach einer Pause ging es weiter; wir wurden in 3 Gruppen aufgeteilt und haben 10 Geschichten oder Situationen zugeteilt bekommen, die wir dann auf einer Skala von „finde ich nicht so schlimm “ bis „sehr schlimm bzw. da muss was unternommen werden“. Auch hier gab es verschiedene Meinungen.

Abschließend, schau nicht weg, wenn andere deine Hilfe brauchen, sei nicht leise, wenn andere deine Stimme brauchen denn irgendwann wirst du ihre auch brauchen.

„Wo die Zivilcourage keine Heimat hat, reicht die Freiheit nicht weit.“ -Willy Brandt

Ich fand es sehr interessant und informationsreich. Außerdem hat man viel diskutieren und das fand ich sehr schön. Es gab zwar einen Plan aber man hat sich nicht zu 100% drangehalten, das finde ich auch nicht schlimm da wir dafür viel mehr aktiv mitreden konnten. -Aster

Wir sind HeldInnen!

Es ist hier nicht die Rede von SuperheldInnen aus den Comicheften, sondern von unseren heimischen Helden und Heldinnen– Fragt sich, wer aller dazu zählt und weshalb.

Stets gehen wir am Heldenplatz vorbei und wie oft fragen wir uns, wieso der Platz so heißt und welche Helden wir eigentlich dort vorfinden. Wir hatten erneut die Möglichkeit mit dem Guide Klemens von dem Mauthausen Komitee Österreich (MKOe) einen Rundgang innerhalb und außerhalb dem Heldenplatz an einem warmen Samstagvormittag zu machen. Unser Treffpunkt war vor der Prinz Eugen Statue. Zu Beginn haben wir uns die Statue von allen Seiten betrachtet, insbesondere die Form, Wirkung und Beschreibungen. Im Laufe dessen habe wir gemeinsam mit Klemens festgestellt, dass Prinz Eugen kein österreichischer Feldherr war, aus extrinsischer Motivation wie des Geldes viele Kriege geführt hat und gar nicht mal so groß war, wie er dargestellt wird.

„Was mich heute besonders gewundert bzw. den „wow“ Effekt gegeben hat, ist das Prinz Eugen von Person her nicht besonders groß war und sogar nur 1,50m.“, fügt Anni hinzu. Daraufhin folgte die Frage von Klemens in die Runde, wie wir eine_n HeldenIn definieren und welche Werte jene vertreten sollen. Mit diesem Ansatz ging es weiter zur unscheinbaren Krypta, die ein Teil vom äußeren Burgtor ausmacht.

Dieses Denkmal wurde zu Ehren den Gefallenen des Ersten Weltkrieges errichtet und ist aufgrund von Covid-19 vorübergehend gesperrt. Wenige Meter neben der Krypta sticht das abstrakte, schwarze Denkmal der Exekutive ins Auge, das für die im Dienst getöteten Polizisten und Gendarmen gewidmet ist. Da wir uns ohnehin in der Nähe des Zaunes beim Burgtor befanden, hat uns Klemens die historische Entwicklung der baulichen Trennung zwischen dem Adel und dem Bürgertum erklärt und das es zur damaligen Zeit nicht selbstverständlich war, den Heldenplatz jederzeit betreten zu dürfen. Von dort folgte ein kurzer Fußmarsch zum Denkmal der Republik, das zwischen dem Parlament und dem Palais Epstein steht.

Die Büsten sind den drei sozialdemokratischen Politikern Victor Adler, Ferdinand Hanusch und Jakob Reumann gewidmet. Anhand dessen hinterfragten wir gemeinsam mit Klemens eine weitere Perspektive des Heldentums.

Der Rundgang endete beim Deserteursdenkmal, eine Widmung an all jene, die gegen das NS-Regime waren. Hierzu meinte Anni, „Das waren Menschen, die im Krieg nicht teilnehmen wollten und dadurch hingerichtet wurden. Ich finde es bewundernswert wie das Denkmal aufgebaut ist und einen komplett anderen Geschichtshintergrund hat als die anderen Statuen.“ Die Führung war definitiv eine Bereicherung für uns alle und stimmen Zahra ebenso zu: „Heute habe ich erfahren, dass nicht alle Helden am Heldenplatz Helden sind, sondern einfach so dargestellt werden! Ich fand die Tour wirklich sehr spannend und informativ, obwohl ich nicht sehr politisch und geschichtlich interessiert bin.“

Republik & Demokratie

Ein später Septembertag und schönes Wetter begleiten uns beim Rundgang „Republik und Demokratie“, ein Vermittlungsprojekt des Mauthausen Komitee Österreich (MKOe). Wir treffen unseren Guide Klemens am Vorplatz der Votivkirche. Die Hintergründe des Baus der Votivkirche wurden uns erklärt, warum der Vorplatz sehr offen gehalten ist und warum die Innenstadt so dicht bebaut ist. Das Parlament, welches aktuell saniert wird und nicht besichtigt werden kann, wie auch das Rathaus sind zentrale Orte von Demokratie, dabei wird die anstehende Wien-Wahl eingehend besprochen, vor allem die (Nicht-)Teilnahme an den Wahlen. Der Vorplatz vor dem Rathaus ist zudem ein Begegnungsraum für Wiener*innen und Tourist*innen und ladet zahlreiche Besucher*innen ein an den vielfältigen Kulturangeboten der Stadt Wien teilzunehmen. Der Justizpalast, wo sich der Oberste Gerichtshof und das Oberlandesgericht Wien befinden, das Denkmal der Republik und das Deserteursdenkmal Wien sind weitere wichtige historische und aktuelle Orte, die wir besucht haben.

Mir hat die Tour sehr gut gefallen – obwohl ich kein großer Fan von historischen Sehenswürdigkeiten bin – da der Guide alles sehr spannend gestaltet hat und auch nicht zu viel aber auch nicht zu wenig gesprochen hat. Ich konnte mir sehr vieles mitnehmen, weil wir in der Schule auch gerade dieses Thema behandeln und ich mich vor der Tour auch darüber erkundigt habe und somit Verbindungen zu manchen Sehenswürdigkeiten herstellen konnte. Ich würde diesen Rundgang wirklich jedem weiterempfehlen! -Zahra

Mir hat besonders der Eisenmann mit Nagel gefallen. Über den Justizpalast, den Brand und Heimwehr habe in Geschichte Unterricht gelesen. -Esmatullah

Die Geschichten von Gebäuden, Plätzen und Statuen haben mir am meisten gefallen. Die Ereignisse und jeweilige Daten waren mir schon bekannt. Ich wäre auch gerne in die Gebäude hineingegangen 🙂 -Mostafa

Der Rundgang hat mir echt gut gefallen. Man konnte immer bei Unklarheiten fragen an den Tourguide stellen und er hat alles beantwortet. Darüber hinaus hat er auch gute Plätze ausgesucht, wo wir verschiedene Denkmäler besichtigt haben und über ihre Hintergrundgeschichte informiert worden sind. -Milad