Theaterstück „Radikal“ mit START-Stipendiat Rosario

Eine ganz besondere Theatervorstellung durften 15 START-StipendiatInnen und Alumnis am Samstag, den 16. April 2016 in Linz besuchen: Das Stück „Radikal“ im Linzer Musiktheater mit Schauspieler und START-Stipendiat Rosario Noviello!

20160416_212521 20160416_212959
20160416_212551
20160416_213642

Hier ein Bericht von Josipa Cvitić:

RADIKAL – Linzer Theaterstück mit START-Stipendiat Rosario

Was bedeutet radikal? Was sind die Motive für eine Radikalisierung? Und sind Feministinnen radikal?

Am 16.April kamen mehrere START-Stipis und Alumnis aus den unterschiedlichsten Bundesländern in Linz zusammen. Sie besuchten das Theaterstück „RADIKAL“, das  sich mit diesen und ähnlichen Fragen auseinandersetzt.

Grund für den Theaterbesuch in der Black Box im Musiktheater Linz war START-Stipendiat Rosario, der selber auf der Bühne spielte und andere Stipis animierte sich die Produktion anzusehen. Das Stück begann jedoch nicht mit einem klassischen Theatervorhangaufzug, sondern es kamen einem schon beim Einlass pöbelnde, unfreundliche Security-Personen entgegen. Diese forderten die Gäste schroff auf in Zweierreihen zu bleiben  und stellten ihnen polizeireife Verhörfragen über den persönlichen Drogenkonsum und anderen Tabu-Themen.

Im Saal selbst warteten schon wild umhertanzende Menschen auf der Bühne, alle unterschiedlichen Alters, Aussehens und Tanzstils. Daraufhin folgte die Vorstellung dreier Jugendlicher im Rahmen einer Reality oder Quiz Show.  Diese Menschen mit ihren harmlosen Wünschen und Idealen, („ich möchte gerne einmal Opernsänger werden“) sollten sich im Laufe des Abends radikalisieren.

Obwohl zu Beginn der Zusammenhang zwischen den einzelnen Szenenausschnitten und den verschiedenen Charakteren nicht ersichtlich war, kristallisierten sich doch nach kurzer Zeit drei Handlungsstränge heraus. Drei Jugendliche, zwei Buben und ein Mädchen, befanden sich in unterschiedlichen Lebensumständen und hatten jeweils mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen. Die eine findet nicht den Mut sich gegen den Wahn gegen den Schönheitswahn der Gesellschaft zu stellen, der andere wird für seine Vorliebe zum Singen gemobbt und wiederum ein anderer wird von seinem rechts-konservativem Großvater beeinflusst.

Jeder von ihnen trifft mit den eigenen Sorgen, Bedürfnissen und Wünschen auf fruchtbarem Boden von radikalen Gruppierungen. Seien es das Netzwerk des Islamischen Staats, das junge KämpferInnen für Syrien sucht oder die Verherrlichung von Gewalt, Nationalismus und Ausländerfeindlichkeit innerhalb einer neo-nationalsozialistischen Jugendgruppe. Einen positiveren Zugang zum Extremismus zeigte die weibliche Protagonistin, die sich der feministischen Gruppe FEMEN anschloss, deren Mitgliederinnen teilweise nackt auf der Straße für Selbstbestimmung und Respekt für den eigenen Körper protestieren.

Neben der spannenden Entwicklung der einzelnen Charaktere, sowie der Einblick in die Gedanken und Motive eines Neo-Nazis, gab es immer wieder kurze Sequenzen, die von einer erschreckenden Aktualität waren. Beispiele dafür sind die Darstellung einer Flüchtlingsgruppe, die nach und nach den Wogen des Mittelmeers erliegen oder eine vollgefüllte U-Bahn, in der jede Person eine potenzielle Gefahr darstellen kann.

Da der Inhalt des Stücks das Publikum forderte, kam es Ende einer Standing Ovation zu einer Nachbereitung, um über das Gesehene gemeinsam  zu reflektieren. Im Rahmen einer Gesprächsrunde mit einzelnen Teilen des Publikums, den SchauspielerInnen und MitarbeiterInnen hinter dem Konzept wurden Fragen zu den Hintergründen, der Produktion und Eindrücke der Mitwirkenden beantwortet. Neben Kritik und Rückmeldungen zu einzelnen Szenen, reichten die Gesprächsthemen von den Gründen zu einer Radikalisierung, über die aggressiv aufgeladene Stimmung in einem Fußballstadium, bis hin zu sexueller Belästigung im Alltag.

Die fesselnde und empfehlenswerte Produktion ist heute vielleicht mehr denn je von Bedeutung, da sie einen starken Bezug zur Realität aufweist und zusätzlich zum Nachdenken anregt. Zudem bot der Abend ein nettes Wiedersehen sämtlicher Stipis und Alumnis, sowie ein interessanten Austausch bei dem Nachgespräch.

(Unser Dank gilt Rosario, der die Veranstaltung initiierte und START-Oberösterreich – wodurch uns dieser Abend heute ermöglicht wurde.)

Josipa Cvitić