Mechi beim Benjamin Franklin Transatlantic Fellows Summer Institute

START-Salzburg Stipendiatin Mehanaz Kabir, durfte heuer  beim Benjamin Franklin Transatlantic Fellows Summer Institute in den USA als Vertreterin Österreich teilnehmen. Insgesamt 4 Wochen verbrachte sie auf Einladung des U.S. Department of State und der amerikanischen Botschaft mit  45 anderen „Delegierten“ aus über 30 Ländern an der Wake Forest University, Winston-Salem, North Carolina.
Hier ist ihr Bericht:

1st week BFTF

Obwohl ich erst seit wenigen Tagen am Campus der Wake Forest University bin, fühlt es sich bereits wie ein weiteres Zuhause an. Als ich vor einem Monat die Zusage für das Benjammin Franklin Transatlantic Fellowoship erhalten habe, dachte ich im Traum nicht daran, so wundervolle Freundschaften zu schließen, so viele unglaubliche Erfahrungen zu sammeln, und mit so viel Begeisterung neue Information aufzusaugen.

Trotz der Tatsache, dass ich auf Grund internationaler Visaprobleme einige Tage verspätet am Campus ankam, war es kein Problem den roten Faden zu finden. Denn ich wurde wirklich herzlich in der Gruppe aufgenommen wurde. Auch Dank meines ohnehin unregelmäßigen Schlafrhythmus‘ kam ich ziemlich gut mit dem Jetleg zurecht. Jedoch war es eher das Wetter, mit dem ich zu kämpfen habe, da ich als Lungauerin Hitze kaum gewohnt war. Doch das Wetter und andere „weltliche Probleme“ waren total nebensächlich, wenn wir in den Klassenzimmern der Wake Forest University sitzen und parlieren , erörtern und diskutieren. Die eine oder andere Person mag sich nun womöglich fragen, wieso ich mir wohl freiwillig Unterricht in den Ferien antue, doch die abwechslungsreichen Stunden über „Argumentation and Debate“, „Citizenship and Social Conflict“ und „Social Enterpreneurship“ würde ich um keinen Preis tauschen wollen.

2nd week BFTF

Nach der ersten Woche hinterm Schreibtisch und der Tafel warteten Philadelphia und Washington DC auf uns. Die zehnstündige Busfahrt (natürlich mit reichlichen Pausen) wurde genutzt um über Themen zu diskutieren, die im Unterricht zu kurz gekommen waren. Natürlich wurde auch der versäumte Schlaf nachgeholt.
In Philly angekommen, konnten wir die Stadt auf eigene Faust erkunden. Am Plan standen auch Museumsbesuche wie das des Namengebers des Programms, das „Benjamin Franklin Museum“. Ein weiteres spannendes Ereignis, das wir in der Stadt der Liberty Bell erlebten, war der 4. Juli, Nationalfeiertag in den Staaten. Alle Straßen und Gebäude waren für diesen Anlass geschmückt, und natürlich durfte das Feuerwerk, das die Nacht zum Tag machte, nicht fehlen.

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Nach dem Wochenende in Philadelphia waren wir in Washington Department of State, dem „amerikanischen Außenministerium“, unserem Sponsor, eingeladen. An diesem Tag hieß es sich professionell zu kleiden, da direkt dort Simulationen von internationalen Konferenzen durchgeführt wurden. Diese waren so anregend, dass ich es kaum erwarten kann, eineN der 45 anderen BFTFellows bei wirklich Konferenzen wieder zu treffen. In Washington hatten wir auch eine Führung durch das Capitol, konnten den Senat und das House of Representatives live erleben, bekamen Einblick in Organisationen wie WUSAID“ und „OPIC“ und besuchten eine Reihe an sehenswerten Museen, wie das „Newseum“ oder das „United States National Memorial Holocaust Museum“. Außerdem nutzten wir unsere Freizeit um die zahlreichen Denkmäler zu besichtigen.

Als Unterkunft diente uns das Heim der Washington University, das 24/7 von bewaffneten Sicherheitsleuten bewacht wurde. Doch nicht nur dieses Heim, sondern auch der Großteil öffentlicher Einrichtungen, wie die besuchten Museen, wurden von bewaffnetem Personal bewacht und man musste meistens durch Securitychecks wie die am Flughafen. Obwohl dies für die EuropäerInnen unter uns ein wenig befremdlich war, sind beide Städte wunderschöne amerikanische Städte, die eine Menge an interessanten Freizeit- und Weiterbildungsaktivitäten bieten.

3rd week BFTF

Da uns die zahlreichen Aktivitäten der ersten beiden Wochen zu einer Familie zusammengeschweißt hatten, war es umso schwieriger sie wieder zu verlassen. Denn für die dritte Woche war die Unterkunft bei jeweils einer lokalen Gastfamilie geplant, die wir bereits beim „International dinner“ in der ersten Woche persönlich kennenlernten.
Vormittags hatten wir Unterricht, wobei wir den Stundenplan individuell zusammenstellen konnten. „Vidoe Production“, „Talking to Strangers“, „American History“ und „Stress Management“, um nur einige zu nennen.

Auch konnten wurde uns die die Gelegenheit gegeben, uns gemeinnützige Arbeit in unserer Freizeit zu verrichten. Ein Beispiel ist die sogenannte „Foodbank“, eine Organisation, die Essen sammelt, das zwar noch gut ist, aber aufgrund von Überproduktion weggeworfen werden würde. Außerdem nimmt diese Organisation auch Nahrungsmittelspenden an.Das gesammelte Gut wird dann an Menschen im Umkreis verteilt, die es sich anders nicht leisten können. Auch bekamen wir die Gelegenheit, Kindern aus schwierigen Verhältnissen den Tag zu versüßen, indem wir ihnen spielerisch unsere Kulturen näherbrachten.

Ein ebenfalls prägendes Erlebnis war das Eid al-Fitr, das Zuckerfest. Viele brachten selbstzubereitete Süßspeisen mit um das Fest zu begehen, auch wenn sie nicht dem Islam angehören. Obwohl es für die meisten das erste Eid-Fest ohne Blutsverwandte war, konnten wir doch behaupten, im Kreise der Familie gefeiert zu haben.

Jeden Wochentag wurden wir dann gegen ca. 16:00 Uhr von unseren Gasteltern abgeholt. Diese Freizeit nutzten unsere Gastfamilien, um uns das amerikanische Stadtleben näherzubringen. Da jede Familie verschieden war, waren auch die geplanten Aktivitäten sehr facettenreich. Vom ersten Baseballspiel, über berühmt berüchtigte „Krispy Kream Donuts“ und lokalen Veranstaltungen und Konzerten bis hin zu einem Wochenende am Strand, war alles dabei.

4th week BFTF

Die allerletzte Woche des Programms ging schneller vorbei als wir uns alle dachten.

In den ersten beiden Tagen hatten wir noch „normalen“ Unterricht, doch schon am dritten Tag flossen die ersten Tränen bei einem Nachmittag mit Authoring Action, einer lokalen Poetry-Slam Gruppe. Uns und ihnen wurden vier verschiedene Titel zur Auswahl gestellt um einen Text dazu zu schreiben, die später vorgelesen wurde. Obwohl jeder Vortrag ähnliche Titel hatte, behandelte er diverse Thematiken. Vom Jugoslawienkrieg, über zertrümmerte Familienverhältnisse bis hin zur Kinderheirat war alles dabei. Am Abend dieses Tages wurde auch das „Farewell dinner“ veranstaltet, an dem alle Gastfamilien und Fellows zusammen kamen um sich bei einem gemeinsam Essen auszutauschen. Uns wurde auch die Möglichkeit zur Darbietung unserer Gesangs-, Instrumenten-, und Beatboxtalente gegeben. Bei der Fotopräsentation konnten auch kaum die Tränen zurück gehalten werden, da jedeR spürte, dass der Abschied schon nah war.

Die letzten zwei Tage verbrachten wir damit unsere Projekte zu präsentieren, die wir den ganzen Monat über entwickelt und überarbeitet hatten. Diese Präsentationen wurden via Livestream von den amerikanischen Botschaften in Europa, unseren (Gast-)Familien und FreundInnen mitverfolgt. Bei Unklarheiten konnte man sich durch #BFTF2015 direkt bei den Präsentierenden melden. Nach diesen Präsentationsblocks an den letzten zwei Tagen stand die Abschlussfeier noch am Plan, bevor es ans endgültige Kofferpacken und den tränenreichen Abschied ging.

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Spätestens da wurde einem klar, wie wertvoll die Erfahrungen des letzten Monats für einen waren.

Es ist zwar unmöglich alle Erfahrungen und Erlebnisse eines gesamten Monats auf einem anderen Kontinent mit 50 anfänglich total Fremden in einem 3-seitigen Bericht zu sammlen, doch dies war ein kleiner Versuch dazu. Aber diesen Versuch hätte ich auch nie wagen können, wenn ich keine Unterstützung gehabt hätte.

Deshalb möchte ich mich sehr herzlich bei der amerikanischen Botschaft, besonders bei Mag.a Karin Schmid-Gerlich und dem START-Stipendium bedanken, dass mir diese Möglichkeit geboten wurde!
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