„light over darkness“: Präsentation des Kunstprojekts der Wiener Stipendiat_innen

Alte Menschen waren auch mal Kinder. Als der zweite Weltkrieg begann, wurden viele plötzlich aus ihrer wohlbehüteten Kinderwelt heraus gerissen. Die Welt verwandelt sich in Dunkelheit und Grauen. Unschuldig wurden diese Kinder zu Zeitzeugen. Doch haben sie sich selbst als Opfer wahrgenommen? Glücklicherweise überlebten sie. Jugendliche heute, die selbst Fluchterfahrungen gemacht haben, aus Kriegs­gebieten kommen, führten Gespräche mit Zeitzeug_innen des 2. Weltkrieges. Sie sprachen über Hoffnung, das Überleben und den Frieden. Wer waren diese Menschen damals und wer sind sie heute? Wie überlebten sie diese Zeit, was war ihr Antrieb? Ist die politische Lage von damals ähnlich wie heute? Aus den Zeitzeugen-Interviews bzw. ihren eigenen Erfahrungen und Motiven erarbeiteten die Jugendlichen über das Schuljahr hinweg schau­spielerische Szenen, Texte und Rapsongs.

Die Dokumentation des Projektes wird verwoben mit Interviewszenen mit den Zeitzeug_innen. In den Fragen der Jugendlichen spiegelt sich ihre eigenen Situation.

Am 11.5.2017 präsentierten wir gemeinsam mit der künstlerischen Leitung, Simonida Selimovic, vor rund 150 Gästen den Film.

Neben den Interviews mit den Zeitzeug_innen berührte und beeindruckte die Gäste vor allem das Musikvideo, in dem die Jugendlichen die Erfahrung des Projekts verarbeitet haben:

Light Over Darkness from simonida selimovic on Vimeo.

Hier noch einige Eindrücke der Jugendlichen:

„Seit acht Monate arbeiten wir (Stipendiat_innen) an unserem Kunstprojekt. Wir haben uns mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigt, wir haben erfahren, wie die Zeitzeug_innen, die damals Kinder waren, aus ihrer Kinderwelt herausgerissen wurden. Wir haben über Hass, Liebe, Krieg und über Frieden gesprochen und wir haben viel davon gelernt.
Und endlich haben wir heute unser Projekt präsentiert – mit unserem tollen Film! Ich bin sehr froh, dass ich dabei sein konnte und ich bin auch froh, dass ich mit euch bis in die Nacht gearbeitet habe. Ich danke euch allen und vor allem der Simonida. ❤ Es war wirklich ein tolles Projekt.“ (Meghety)

„Was ich gelernt habe bei diesem Projekt, ist überhaupt auf einer Bühne stehen zu können ohne in unnötigen Druck und Angst zu fallen, und selbst wenn, dann diese als Treibstoff zu benutzen. Dieser Prozess des Selbstvertrauens hat dank Start sein Ziel erreicht und ich weiß, das wird mich für immer verändern.“ (Roberto)

„Einer meiner schönsten und emotionalsten Tage bei START war der Höhepunkt unseres Kunstprojektes. An diesem Tag durfte ich mit anderen Jugendlichen aus meinem Jahrgang Zeitzeugen aus dem zweiten Weltkrieg interviewen. Es war einfach faszinierend. Es lässt mich immer noch staunen wie 80-90-jährige Menschen so liebevoll über ein so grausames Thema reden können. Eine jüdische Dame hat gefragt ob auch Personen von der Täterseite kommen würden. Sie würde ihr gerne die Hand geben, denn damals waren sie doch alle nur Kinder. Oder andere Botschaften wie: „Demokratie ist grausam, aber sie ist das beste was wir haben.“, haben bei mir große Emotionen hinterlassen.“ (Yildiz)

Besonders freut uns, dass die Begegnungen, die im Rahmen dieses Projektes entstanden, weiter gehen. So sind Abdi und das Ehepaar Kaufmann mittlerweile gut befreundet und unternehmen regelmäßig Ausflüge, wie er an anderer Stelle beschreibt.