Ein Jahr in Spanien: Ein Erfahrungsbericht von START-Wien Alumna Josipa Cvitic

Spanien. Zehn Monate. Arbeit in einem Kulturzentrum. WG-Leben. Gap-Year.

Das wusste ich als ich die Zusage für meinen Freiwilligendienst in der nordspanischen Stadt Santiago de Compostela bekommen habe. Zehn Monate sind es nun her, als ich meine Koffer gepackt und dieses neue Kapitel begonnen habe. Das habe ich erlebt.

 

  • Tätigkeiten und Aufgaben

Nachdem ich mein Projekt gefunden, Papierkram erledigt und mein Spanisch-Vokabular aufgepeppt habe ich mich auf den Weg nach Santiago de Compostela gemacht. Die Landeshauptstadt der Region Galicien im Nordwesten von Spanien ist bekannt für die etlichen Pilger, die den Jakobsweg zu Fuß oder Fahrrad erzwingen um zur Kathedrale zu gelangen, wo die Reliquien des Apostels Jakobus gefunden wurden.

Ich hingegen sollte da als Freiwillige in dem Kulturzentrum „O Ensanche“ (Galicisch für „die Erweiterung“) arbeiten. Meine Tätigkeiten haben sich im Laufe der Zeit langsam vermehrt und verbessert. Wegen meinem gebrochenen Spanisch in den ersten Monaten verbrachte ich meine Zeit, indem ich die unterschiedlichen Aktivitäten des Zentrums kennen lernte und dabei assistierte. Exkursionen, Schachunterricht, ein Lesezirkel, Bastel- und Spielstunden mit Kindern waren alles Teil des Programms. Später konnte ich meine eigenen Kurse starten  und initiierte Deutsch- und Englischkonversationskurse, sowie einen wöchentlichen Schachclub. Im Juli endeten sämtliche Kurse, denn es startete das Feriencamp „Pequenos Reporteiros“ (Kleine Reporter) für Kinder. Ich arbeitete als Betreuerin und organisierte Spiele und Aktivitäten.

  • Regionalsprache, Pilger und Dudelsack – Willkommen in Galicien

Die Region Galicien, die meine neue Heimat für die kommenden Monate sein würde, erschien mir zunächst als die vergessene, erstaunlich nicht-spanische Region des Landes. Anstatt Sonnenschein, rechnet man manchmal mit wochenlangem Regen. Dudelsack findet man anstelle der typisch spanischen Gitarre und die Regionalsprache Galicisch klingt mehr nach Portugiesisch als nach Spanisch. Einige Dinge bleiben jedoch gleich; die Freundlichkeit der Menschen, sowie ihre positive und entspannte Einstellung.

  • Freizeit und WG-Leben

Gelebt habe ich in einer Wohnung mit vier anderen Freiwilligen. Sie kamen aus Dänemark, Deutschland, Kroatien und der Türkei und arbeiteten für ähnliche Projekte. Umgangssprache war Englisch, da wir es anfangs deutlich einfacher als Spanisch fanden. Wenn man mit Menschen aus anderen Ländern lebt, lernt man die Kultur und das Land auf eine ganz eigene Weise kennen. Erst beim Zusammensein bemerkt man Werte und unscheinbare Aspekte der Kultur, die bei kurzen, oberflächlichen Begegnungen oft untergehen. Neben der Arbeit blieb uns auch meist viel Zeit um unseren Hobbys nachzugehen, zu reisen und Neues auszuprobieren.

Das eigene Leben in dem anderen Land unterscheidet sich stark zu seinem alten. Ich zum Beispiel schätze diese Erfahrung sehr, da es mir einen Einblick in die spanische, aber auch andere Kulturen ermöglicht hat. Ich lernte Spanisch und verstehe nun auch etwas Galicisch. In vielen Situationen war ich auf mich alleine gestellt, sei es in der Arbeit, im Alltag oder auf Reisen. So lernte ich selbstständig zu sein und mich Schwierigkeiten oder Herausforderungen anzunehmen. Kurz gesagt würde ich einen Freiwilligendienst allen jungen Menschen empfehlen, die Auslandserfahrungen sammeln, etwas Neues erleben und sich weiterentwickeln möchten!

 

  • EFD – Ein Überblick

Was ist der EFD? „Der Europäische Freiwilligendienst (EFD) bietet jungen Menschen die Möglichkeit, für einige Zeit ins Ausland zu gehen und sich dort in einem gemeinnützigen Projekt oder in einer Organisation zu engagieren. Es sind keinerlei Vorkenntnisse erforderlich und die Liste der möglichen Einsatzorte ist vielfältig.“ (vgl. Webseite von JugendinAktion)

Wer kann mitmachen? Jugendliche zwischen 17 und 30 Jahren. In Österreich kann man den EFD auch als Zivildienst absolvieren!

Wie lange dauert der Aufenthalt? Je nach Projekt kann man für zwei bis zwölf Monate im Ausland tätig sein.

Was bietet der EFD?

Youthpass – ein Zertifikat, das man selber auf mehreren Sprachen schreiben kann. Der gesamte Aufenthalt ist finanziert, daher sind der Großteil der Reisekosten, Unterkunft,Versicherung,  sowie Verpflegung in Form von Essens- und Taschengeld mitinbegriffen. Alle Freiwillige besuchen außerdem  Seminare mit anderen Freiwilligen im eigenen Land und im Gastland, um besser auf ihre Arbeit vorbereitet zu werden.

Übrigens haben Freiwillige weiterhin Anspruch auf die Familienbeihilfe, da man sich im Zuge des Freiwilligendienstes weiterbildet.

Was hat man davon? Eine einmalige Auslandserfahrung, Erwerb einer neuen Sprache, neue internationale Bekanntschaften und Freunde, sowie die Chance etwas Positives in der Gesellschaft zu bewirken.

Mehr Informationen zum EFD und zum Bewerbungsprozess findet man auf:

http://europa.eu/youth/eu/article/46/894_de