Abduls Engagement bei der Wasserrettung

Mein Name ist Abdul Razak Fakhouri. Ich bin 17 Jahre alt, stamme aus Syrien und bin im März 2015 nach Österreich gekommen. Ich wohne mit meiner Familie in St. Pölten und bin START-Stipendiat des ersten Jahrgangs in Niederösterreich. Schon in Damaskus war ich ein begeisterter Schwimmer und Wasserball-Spieler. Ich bin durch meinen Vater zu diesem Sport gekommen, weil er Tormann im Nationalteam und auch Schwimmer und Rettungsschwimmer war.

Im März 2015 bin ich in St.Pölten mit zwei Zielen angekommen: die Matura und dass ich die Aufnahmeprüfung für die Medizinische Universität schaffe. Ich war lange auf der Suche nach einem Wasserballverein in St. Pölten, aber leider habe ich nichts gefunden. In der Zwischenzeit habe ich Fußball gespielt um fit zu bleiben und dann bin ich auf die Wasserrettung aufmerksam geworden. Noch im Herbst habe ich den Helfer- und den Retter-Schein bei der Wasserrettung gemacht. Jetzt bin ich schon über ein Jahr bei der Wasserrettung und es macht mich sehr glücklich, dass ich dort so viele nette Leuten kennengelernt habe.

Eine tolle Notärztin bei der Wasserrettung hat mich auf die Sanitäter-Ausbildung beim Roten Kreuz aufmerksam gemacht und mir den Notärzte-Stützpunkt im KH St. Pölten gezeigt. Das hat mich sehr begeistert, weil ich schon immer Notarzt werden wollte.

Im Juli 2016 hatte ich einen Praktikumsplatz bei der Wasserrettung in St. Pölten am Ratzersdorfer See. Gleich in der ersten Woche hatte ich die ersten zwei Einsätze. Ich war sehr froh, dass ich sehr gut ausgebildet war und wir alles vorher geübt hatten. Meine Reaktion war so schnell! Ein junger Mann, den ich aus dem Wasser geholt habe, musste sogar wiederbelebt werden. In der zweiten Woche habe ich auch einen Einsatz am Viehofner See gehabt. Die letzten zwei Wochen gab es Gott sei Dank keine schweren Einsätze mehr. In dieser Zeit habe ich gespürt wie wichtig das Ehrenamt ist, weil ich vielen Menschen helfen konnte.

Bei der Wasserrettung und beim Roten Kreuz lernte ich auch, dass viele Menschen sich freiwillig engagieren für andere – weil gemeinsam sind wir stärker! Gleichzeitig merkte ich, dass bei uns in Syrien die Freiwilligkeit in der Gesellschaft fehlt und ganz wenige Menschen sich freiwillig engagieren. In Syrien hatten wir nämlich keine Rettungs-Organisationen, wo man sich als Privatperson freiwillig engagieren kann. In Syrien erlebte ich viele akute Situationen, wo die Leute ernsthaft Beistand benötigten. Sie haben aber keine Versorgung bekommen und mussten alles selbst machen. Ich konnte auch nichts machen außer zusehen, weil ich sehr jung war.

Im Oktober 2016 wurde das erste Mal in Niederösterreich der Henri Freiwilligenpreis vom Roten Kreuz und Club Niederösterreich verliehen an Menschen, die sich in verschiedenen Bereichen freiwillig engagieren. Ich war als eine von drei Personen in der Kategorie „Jugend unter 30“ nominiert und habe den Preis auch gewonnen. Das hat mich sehr gefreut und auch motiviert!

Ich engagiere mich weiterhin bei der Wasserrettung und beim Roten Kreuz und mache gerade die Sanitäter-Ausbildung. Ich möchte mich ganz herzlich bei meinen Eltern und den Leuten bedanken, die mir etwas beigebracht und mich unterstützt haben – und ganz besonders bei der österreichischen Wasserrettung St. Pölten.

(c) Titelbild: KURIER/Johannes Weichhart