10 Jahre START-Wien: Eindrücke eines festlichen Abends im Rathaus

Mit weit über 200 Gästen mussten einige sogar draußen warten, während anlässlich des 10. Geburtstages von START-Wien im Wappensaal des Wiener Rathauses unsere neuen Stipendiat_innen aufgenommen wurden und zahlreiche Glückwünsche übermittelt wurden.

Zu Beginn der Veranstaltung betonte Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete Safak Akcay die Wichtigkeit einer positiven Herangehensweise an das Thema Integration und unterstützte unseren Ansatz, Potentiale zu sehen und hervorzuheben, anstatt immer nur Defizite zu suchen – und dann natürlich auch zu finden. Ulrike Crespo, Stifterin der Crespo Foundation und Initiatorin von START-Wien, erinnerte dann unter großem Applaus des Publikums an die Anfänge von START-Wien und die Gründe, warum sie das Programm nach wie vor unterstützt: „Für mich heißt gute Bildung nicht nur: Lesen, schreiben und rechnen können, Matura machen und studieren. Ich meine, dass gerade Kindern und Jugendlichen darüber hinaus auch die Chance gegeben werden muss, im humanistischen Sinne des Wortes „Bildung“ zu erlangen: Also die Fähigkeit, differenziert über sich selbst nachzudenken und sich gegenüber seiner Umwelt eigenverantwortlich, ja eigensinnig zu verhalten. (…) Gerade Migrantinnen und Migranten mussten und müssen bis heute besonders große Widerstände überwinden. Das ist so nicht hinnehmbar und besonders schwer zu ertragen, wenn man junge Menschen wie unsere START-Stipendiatinnen und -Stipendiaten vor Augen hat: Jugendliche mit Potential und Engagement, die es verdienen, dass man sie nicht daran hindert sondern ganz im Gegenteil nach Kräften dabei unterstützt, ihre Lebensentwürfe zur verwirklichen!“


Anschließend kamen drei langjährige Wegbegleiter zu Wort: Außenminister Sebastian Kurz, Vizekanzler a.D. Erhard Busek sowie NAbg Matthias Strolz. Einhelliger Tenor: Integration und Bildung gehen Hand in Hand und START ist in diesem Sinne ein besonders erfolgreiches Projekt.

Für unsere Stipendiat_innen war dann der aufregendste Moment gekommen: Die Übergabe der Urkunden durch ihre Förderer. Strahlende Gesichter auf der Bühne und im Publikum, denn es ist ein besonderer Moment, im Rathaus auf der Bühne zu stehen und (verdiente) Aufmerksamkeit zu bekommen! Unserer besonderer Dank gilt daher Stadträtin Sandra Frauenberger und der MA17, die uns ins Rathaus eingeladen haben und den Schüler_innen diesen ganz besonderen Augenblick ermöglicht haben! Mindestens so großen Anteil daran haben natürlich die PatInnen, die die Urkunden übergeben haben. In diesem Jahr waren dies: U.S.-Botschafterin Alexa Wesner (die sich sogar die Zeit nahm, gemeinsam mit Staatssekretärin Muna Duzdar die Schüler_innen bereits vor der Veranstaltung kennenzulernen), Mag. Ulrike Löschl (MA40), Dr. Aslak Petersen (Crespo Foundation, sowie in Vertretung der IV Wien), Dr. Alexandra Pifl (L’Oréal Österreich), Dr. Eva Zedlacher (ÖBB Infrastruktur), Mag. Alexander Racher (Wiener Börse) und Dipl.Kfm. Stephan Kühne (Constantia Flexibles Group).


Drei der neuen Stipendiat_innen hielten anschließend beeindruckende und bewegende Reden:
„Ich denke mein 12 jähriges Ich hat mir gezeigt, dass man sich nicht auf die „aber was wenns“ konzentrieren sollte sondern einfach nur auf die positiven Schlüsse. Viele Menschen trauen sich nicht gewisse Dinge zu tun, weil sie Angst vor einem negativen Ende haben, obwohl die Chance ein positives Ende zu finden genauso groß ist. Sprich die meisten Menschen stehen sich einfach selbst im Weg. Meine Allpflanze hat mir gezeigt, dass der WEG zum Glück das eigentliche Glück ist. Mit 9 Jahren selbsternannte Astrobiologin zu sein und mit 12 Vorschläge an die NASA zu schicken war einer meiner schönsten Erfahrungen. Ein kleiner Schritt für die Wissenschaft,  ein großer Schritt für mich.“ (Yildiz Turak)

„Und so bin ich gegangen und habe gesprochen und gestikuliert und meinen Namen noch einmal wiederholt, falls ihn niemand kannte. Ich wusste irgendwie, dass was ich in dem Moment tue, ziemlich gut ist, aber es ist erst dann wirklich angekommen, als ich in einer Klasse mit meiner kleinen Spontanrede fertig war und sah, wie ein Mädchen ihrer Nachbarin sagt „Der ist so gut.“ Und mein erster Gedanke war „Wer? Ich?“ und dann musste ich feststellen, dass es wirklich ich bin, wen sie meinen und dass sie mich wahrscheinlich in dem Moment so anschauten wie ich meinen Deutschlehrer bei dieser Präsentation. Mir war in diesem Moment klar, dass ich etwas gut gemacht habe. Und dass ich so in meiner Zukunft, die ich mir so gerne vorstelle, gleich handeln soll. Heute halte ich eine Rede vor über 200 Menschen und das macht mich doch ein bisschen nervös. Aber ich mache es, und ich mache es gerne. Denn ich bin froh, dass ich überhaupt die Möglichkeit zu Reden bekomme. Ich bin froh darüber, wie viele Möglichkeiten ich habe, um mich zu entwickeln, entfalten und auch an diesen anderen, persönlichen Sachen zu arbeiten. Mir ist bewusst, dass nicht jeder in seine oder ihre Zukunft damit blicken kann, sie selbst bestimmen zu können.“ (Leopold Grolmus)

„In Syrien bis zu meinem 17.en Lebensjahr hatte ich in ein wunderschönes gutes Leben mit vielen Träumen und vielen Zielen. Doch der Krieg hat mich und meine Familie gezwungen zu fliehen und mein Leben dort hinter mir zu lassen. Ich danke Gott, der mir geholfen hat den langen Weg der Flucht zu überleben und der mir ein neues Leben geschenkt hat. ALHAMDULLAH=das heißt Gott sei Dank auf Arabisch. Jetzt will ich mein neues Leben intensiv erleben und gestalten und jede Chance, die es mir bietet, nützen. Ich will vor allem lernen, für mich und auch für alle Mädchen und alle Burschen der in Syrien nicht in die Schule gehen kann. Ich will mir jede Chance im Leben schnappen, auch für jedes einzelne Kind, das im Mittel-Meer ertrinken musste. Ich will so stark sein denn ich werde meine Träume erfüllen und meine Zielen erreichen und ich werde das schaffen.“ (Bushra Yasin) 


An Ministerialrat Dr. Rüdiger Teutsch, Sektionschef und in Vertretung für Bildungsministerin Sonja Hammerschmid, war es dann, den neuen Stipendiat_innen noch einmal zu gratulieren und ihnen den Rücken zu stärken. Denn die Nervosität war verständlicherweise groß – aber, rückblickend, nicht gerechtfertigt. Sie waren als Redner_innen großartig und sind allesamt beeindruckende Personen. START bezeichnete er insbesondere als besonders gelungenes Beispiel der Zusammenarbeit zwischen dem Bildungssystem bzw. der Schulen und der Zivilgesellschaft, das es schafft, Menschen und Institutionen aller gesellschaftlichen Bereiche in ein gemeinsames Boot zu holen. Und das deswegen so erfolgreich ist.

Denjenigen, die bereits einen Schritt weiter sind, gehörte im Anschluss die Bühne: Die diesjährigen Maturant_innen – vertreten durch Mahrukh Syed und Nahla Hamoudah, die unterhaltsam auf ihre Stipendiat_innenzeit zurückblickten. Einige START-Alumni aus ganz Europa waren dank kurzer Videobotschaften auch bei der Feier anwesend während andere auf der Bühne aus alten Halbjahresberichten vorlasen, einiges von damals bestätigen konnten, über anderes selbst herzlich lachen mussten.

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Krönender Abschluss des Abends war dann die Geburtstagstorte, die von den anwesenden Pat_innen entgegengenommen und angeschnitten wurde.

Bei Buffet und Getränken wurde dann noch lange geplaudert, alte Anekdoten ausgetauscht, neue Kontakte geknüpft und gemeinsam gefeiert.

Wir danken allen, die an diesem Abend dabei waren oder uns Glückwünsche gesendet haben und freuen uns auf viele weitere gemeinsame Jahre!

Und hier können sie unsere neuen Stipendiat_innen und die Maturant_innen noch genauer kennenlernen (ein Klick auf das Bild öffnet ein pdf mit kurzen Steckbriefen):

Alle Bilder: (c) Carolina Frank, http://www.carolinafrank.net/